FMNR: Mit den Bäumen kommen die Tiere zurück

Vogel

Von den wieder wachsenden Wäldern in unseren äthiopischen Projektgebieten profitieren nicht nur die Menschen. Auch viele Tiere kehren zurück – und bereichern das Leben der Bauern.

Wenn Bauer Berata Bassa über die grünen Hügel seiner Heimatregion Sodo in Äthiopien blickt, leuchten seine Augen vor Freude. Über die vielen Bäume, die grünen Felder und die plätschernden Bäche. Ein kleines Paradies ist hier entstanden, hier, wo noch vor zehn Jahren Not und Hunger herrschten, wenn die Regenzeit mal wieder ausgefallen war.

Eine simple Methode zur Wiederaufforstung hat das Leben von Berata Bassa und seinen Mitstreitern in der landwirtschaftlichen Kooperative nachhaltig verändert: FMNR – Farmer Managed Natural Regeneration. Bei dieser Vorgehensweise pflegen die Bauern junge Schösslinge unterirdisch verborgener Baumwurzeln gezielt vor Rodung und Tierfraß und schützen sie solange, bis aus ihnen stattliche Bäume geworden sind. Die heimischen Arten sind widerstandsfähiger gegen Dürren, beschatten den Boden, düngen mit ihren Blättern und Früchten die Erde und halten Regenwasser zurück. Der Boden erholt sich, wird reicher und verbessert drastisch Ernten und Feuerholzgewinnung.

Bauer Berata Bassa freut sich über die Rückkehr der Tiere

Bauer Berata Bassa freut sich über die Rückkehr der Tiere

Doch nicht nur Menschen profitieren von der FMNR-Methode. „Auch die Tiere kommen zurück“, erklärt Berata Bassa. Und weiter: „Erst kommen die kleinen Tiere. Insekten wie Tausendfüßler, Spinnen, Käfer. Dann folgen die Vögel. Und jetzt sehen wir auch wieder Affen und manchmal sogar Leoparden.“

Bauern pflegen und schützen Bäume Schösslinge, die ohne ihr Engagement nicht wachsen würden

Bauern pflegen und schützen Schösslinge, die ohne ihr Engagement nicht wachsen würden

Das Mikroklima ist seit dem Einsatz von FMNR konstanter geworden, dass schafft bleibende neue Lebensräume für viele Tierarten.

Die deutlich gestiegene Biodiversität unterstützt die Bauern auch im Kampf gegen Schädlinge. Denn die Zahl der Schädlinge und Nützlinge hält sich in diesem gesunden Biotop in etwa die Waage „und die Insekten helfen ja auch bei der Bestäubung“, sagt Berata Bassa. Er ist gespannt, welche Tiere er in der Zukunft noch willkommen heißen kann in Sodo. Denn Auswahl gibt es genug in Äthiopiens Tierwelt. Allein 300 Säugetier- und ebenso viele Vogelarten beheimatet das Land am Horn von Afrika. FMNR wird helfen, möglichst vielen davon ein neues Zuhause zu bieten.

3 Kommentare

  1. Patricia F., 26. Juli 2017

    Das Wiederaufforstungsprojekt in Sodo ist ein gutes Beispiel für nachhaltige Entwicklungsarbeit. Die aktive Beteiligung der einheimischen Bauern zeigt, dass das Projekt sinnvoll für sie erscheint. Da sie von Beginn die Verantwortung für den entstehenden Wald tragen kann davon ausgegangen werden dass sie sich auch langfristig, über das Projekt hinaus, für den Erhalt des Waldes einsetzten.
    Wem gehört der aufgebaute Wald? Je größer er wird desto mehr Ressourcen bietet er, wer darf davon profitieren? Vielleicht gibt es hierfür bereits eine klare Regelung. Falls nicht kann ich mir vorstellen dass dies großes Konfliktpotential mit sich bringt.
    Beim Lesen des Textes macht es den Anschein als wäre die Wiederaufforstung eine einfach und effektive Methode um trockene Gebiete wieder mit Leben zu füllen. Ist dies wirklich so einfach wie im Text dargestellt? Oder hat sich die Wetterlage in Sodo allgemein verändert und war für die Aufforstung begünstigend?
    Denn wenn es doch so einfach wäre stellt sich mir die Frage wieso ein solches Projekt nicht auch in anderen Teilen des Landes, in denen Menschen aufgrund von Trockenheit, Not und Hunger auch derzeit noch um ihr Überleben kämpfen, umgesetzt wird?

  2. Dirk Bathe, 26. Juli 2017

    Liebe Patricia
    der Bericht über das Wiederaufforstungsprojekt in Sodo stellt nur einen kleinen Teil unserer FMNR-Aktivitäten dar. Nach dem FMNR-Prinzip werden mittlerweile weltweit ca. 20 Millionen Hektar Land bewirtschaftet, hauptsächlich in Senegal, Niger, Ghana, Kenia und Äthiopien. Die Eigentumsrechte variieren von Land zu Land, die Nutzungsrechte aber nicht. Immer können die beteiligten Farmer an den Erträgen partizipieren, die sie mit FMNR erwirtschaftet haben. Entweder als Eigentümer, als Genossenschaft oder als Dorfgemeinschaft. Daher ist das Konfliktpotential auch sehr gering. Die Lage in Sodo hat sich nicht wegen sondern trotz des Wetters verbessert – in den vergangenen Jahren wurde die Gegend immer wieder von teils lang andauernden Dürren heimgesucht. Das lässt uns auch für FMNR-Projekte in Gegenden hoffen, die natürlicherweise sehr trocken sind, wie etwa in Somalia. FMNR setzt sich immer mehr durch, obwohl die Methode viel Aufklärungsarbeit verlangt. So hat die äthiopische Regierung FMNR zum Bestandteil ihrer landesweiten Wiederaufforstungsinitiative gemacht. Dirk Bathe, Medienreferent World Vision

  3. Patricia F., 27. Juli 2017

    Lieber Herr Bathe,

    vielen Dank für die Antwort auf den Kommentar die vieles erklärt.Womit hängt es zusammen dass die Eigentumsrechte unterschiedlich ausfallen und welche Personengruppen bekommen diese (hat sie die Organisation selbst, oder die Regierung des Landes,…)?
    Durch die dazugewonnen Informationen Ihres Kommentars kann ich mir gut vorstellen dass das Projekt, sowie die weiteren Wideraufforstungsporjekte, durch wertschätzende Zusammenarbeit zwischen Organisation und Menschen vor Ort gestaltet wird.
    Es ist beeindurckend dass die Wideraufforstung auch längere Trockenperioden überlebt.
    Trotz meiner kritischen Bemerkungen im ersten Kommentar bin ich begeistert von diesem Projekt das von Partizipation und Nachhaltigkeit geprägt ist und in der Lebenswelt der Betroffenen ansetzt. Ich wünsche den Projekten von FMNR viel Geduld und Energie für die Aufklärungsarbeit, sodass stetig neue Projekte und somit neue Wälder entstehen!

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