Indien: Kampf um die letzten Wassertropfen und ein Leben in Schulden

Pankeys Mutter Renuka ist seit 3 Jahren Witwe. Ihr Mann - oben auf dem Bild - beging Selbstmord, weil er keinen Ausweg aus der Schuldenfalle sah. Foto: Daniel Mung / World Vision

In indischen Dörfern herrscht wegen der Dürre und Hitzewelle vielerorts Endzeitstimmung. Das berichten auch unsere Mitarbeiter. Vor Brunnen und Tanklastwagen kämpfen Menschen um jeden Tropfen Wasser. Die Regierung kann die Not kaum lindern. Junge Bauern wie der 24jährige Pankey haben wegen der Missernten auch keine Chance ihre wachsenden Schulden abzutragen. Das bedeutet Hunger, auch wenn der nächste Monsun mehr Regen bringen sollte.

“Jeden Morgen wache ich mit dem bedrückenden Gedanken auf, dass wir ein Leben in Schulden leben”, sagt Pankay. Sein Vater beging Selbstmord, weil er keinen Ausweg aus der Schuldenfalle sah. Pankeys Mutter Renuka ist seit 3 Jahren Witwe.

Seit seinem 16. Lebensjahr arbeitet Pankay aus dem indischen Bundesstaat Maharashtra auf den Feldern anderer Leute, um die Schulden seiner Familie abzutragen. Die Schule muste er aufgeben.

“Meinen Vater habe ich in meiner Erinnerung immer nur als einen gestressten Mann erlebt, wegen all der Schulden und der unregelmäßigen Monsun-Regenfälle.” 2013 beendete sein Vater sein trauriges Leben mit Gift.

Pankay schätzt, dass seine Familie zur Zeit rund 25.000 Rupien an Geldverleiher und rund 10.000 Rupien an eine Bank zurückzahlen muss. Er erklärt, dass die meisten Bauern in seinem Dof Dhanora  ihr Saatgut, den Dünger und andere Produktionsmittel während der Monsunzeit mit Krediten kaufen. “Ich bezahle immer noch für Kredite, die mein Vater aufgenommen hat, und werde vermutlich noch mehr als 10 Jahre abzahlen müssen”, fügt er hinzu.

In den letzten 3 Jahren haben die Felder im Dorf keine guten Ernten eingebracht, weil es zu wenig regnete und nicht genügend Wasser zur Bewässerung vorhanden war. Die anhaltende Dürre veranlasste die Männer und Jugendlichen, außerhalb des Dorfes nach Arbeit zu suchen. Die meisten Bauern haben es auch aufgegeben, Felder zu pachten, weil sie mit ihrer kleinen Ernte keinen Gewinn machen können.

"Wir sind ganz vom Monsunregen abhängig, weil wir uns Wasser zur Bewässerung der Felder nicht leisten können", erklärt Pankey zu den Ursachen der katastrophalen Lage vieler Bauern. Die Vorsorge gegen Dürren, beispielsweise durch Wasserspeicher und mehr Anbau dürre-toleranter Pflanzen, muss nach Einschätzung vieler Experten in Indien dringend ausgebaut werden. Hier engagiert sich auch World Vision. Foto: Daniel Mung / World Vision

“Wir sind ganz vom Monsunregen abhängig, weil wir uns Wasser zur Bewässerung der Felder nicht leisten können”, erklärt Pankey zu den Ursachen der katastrophalen Lage vieler Bauern. Die Vorsorge gegen Dürren, beispielsweise durch Wasserspeicher und mehr Anbau dürre-toleranter Pflanzen, muss nach Einschätzung vieler Experten in Indien dringend ausgebaut werden. Hier engagiert sich auch World Vision. Foto: Daniel Mung / World Vision

Jeden Morgen laufen Pankay und sein jüngerer Bruder Rupesh rund 10 Kilometer in die Stadt Yavatmal, wo sie nach Arbeit auf Baustellen suchen. “Wir finden momentan aber höchstens zwei Mal pro Woche einen Job, weil die Stadt auch unter Wassermangel leidet und die Bauarbeiten deshalb zurückgefahren wurden”, erzählt Rupesh. Die Brüder verdienen rund 250-300 Rupien pro Tag, wenn sie Arbeit haben. Diese Summe müssen sie aufteilen: ein Teil für die Kredite, ein Teil für die täglichen Lebenshaltungskosten. “Selbst wenn diese Monsunzeit jetzt genügend Regen brächte, könnten wir wegen Geldmangel nicht pflügen und pflanzen”, sagt Pankay mit traurigem Blick.

Nur zwei Rinder sind der Familie noch geblieben. Letztes Jahr musste sie bereits zwei Tiere zum halben Preis verkaufen, weil sie nicht genug Futter für sie hatte. Foto: Daniel Mung / World Vision

Nur zwei Rinder sind der Familie noch geblieben. Letztes Jahr musste sie bereits zwei Tiere zum halben Preis verkaufen, weil sie nicht genug Futter für sie hatte. Foto: Daniel Mung / World Vision

Bei den Brüdern zu Hause wird noch deutlicher wie kritisch die aktuelle Situation ist. Pankays Mutter Renuka bringt einen Topf mit milchig-weißem Wasser und sagt, das sei vermutlich das letzte Wasser aus dem Brunnen. In ein oder zwei Tagen werde der einzige noch funktionierende Brunnen ausgetrocknet sein. Zwei andere Brunnen im Dorf sind bereits trocken. “Seit einigen Tagen bildet sich morgens schon um 3 Uhr eine lange Warteschlange vor dem Brunnen, der noch Wasser hat”, erzählt sie.

“Wenn wir nicht mehr daraus schöpfen können, müssen wir unser Trinkwasser von Tanklastern kaufen, und die meisten von uns können sich das nicht leisten”, sagt Pankaj.

In ihrer Verzweiflung haben die Dorfbewohner versucht, neues Wasser zu finden. 20 Junge Leute gruben mit einfachen Werkzeugen. “Wegen großer Felssteine konnten wir unseren Brunnen nur um ca. 30 Zentimeter vertiefen und mussten nach 3 Stunden mit vielen Blasen an den Händen aufgeben”, sagt Rupesh.

“Nur Gott kann uns helfen, ein weiteres Jahr Dürre zu überstehen,” meint Pankaj.

Daniel Mung berichtet bei World Vision Indien aus den Dürregebieten. 


Wie World Vision hilft:

Unsere Erfahrung zeigt, dass Krisen wie diese eine ganzheitliche und mehrstufige Herangehensweise erfordern. Um der akuten Not zu begegnen, versorgt World Vision betroffene Familien mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln, unterstützt auch mit Lohnzahlung für Arbeiten, die der ganzen Gemeinschaft nützen, oder auch durch Zugang zu Veterinärmedizinern, um die Tiere zu schützen. Über die Entwicklungsprojekte fördert World Vision außerdem verschiedenste Initiativen von Kooperativen, die den Bauern helfen, ihre Ressourcen gut zu nutzen, sich auf Krisen vorzubereiten und ihre Schulden abzubauen.

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