Ich habe ihnen gesagt, ich heiße Yana

Kind in Flüchtlingslager in Niger

Boko Haram ist für Kinder in der Region rund um den Tschadsee ein Schreckensbegriff. Immer wieder attackiert die Terrorgruppe Dörfer und Städte, entführt dabei auch Kinder. Der 12jährige Usman überlebte einen Angriff und konnte als Mädchen verkleidet in das Nachbarland Niger fliehen. Sogar dort müssen Flüchtlinge jedoch immer wieder in sicherere Gebiete gebracht werden, weil Boko Haram auch im Grenzgebiet aktiv ist. Was ihm und anderen geflüchteten Kindern hilft, die Angst zu bekämpfen, erfahren sie in seiner Geschichte.

Eine Geschichte aus dem Grenzgebiet zwischen Nigeria und Niger aufgeschrieben von Jadi Issoufou

Mein Name ist  Usman Bulama, ich bin 12 Jahre alt und lebe seit über einem Jahr in Niger im Sayam Forage Flüchtlingslager. Meine Familie wurde mit der fünften Gruppe von Geflohenen aus Gagamari hier her gebracht.

W275 0021 044_685749

Früher haben wir in Damassack [eine Stadt in Nigeria nahe der Grenze zu Niger] gelebt. Unser Vater züchtete Gemüse, wir Kinder (vier Mädchen und zwei Jungen) halfen ihm bei der Feldarbeit. Bevor ich morgens zur Koran-Schule ging, verkaufte ich an unserem Stand frittierte Yam.

An dem Tag, als Boko Haram unsere Stadt angriff, war ich gerade am Stand. Zuerst lief ich weg in Richtung des Flusses, doch dann habe ich mich anders entschieden und bin nach Hause gegangen. Doch dort war niemand, also versuchten ein paar andere Kinder und ich auf die andere Uferseite zu fliehen. Wir wurden leider von einem Mitglied von Boko Haram gefangen. Während unserer Gefangenschaft sagte der Mann zu uns: “Wir werden euch den heiligen Koran lehren, so dass ihr aufwachst zu Kämpfern.”

Jeden Morgen besuchten wir eine Koran-Schule. Danach durften wir Fahrrad fahren. Zwei Monate und drei Tage wurden wir festgehalten. Alle, die eine Flucht versucht haben, wurden erschossen.

Mein Großvater konnte mich befreien indem er mich als Mädchen verkleidete. Ihm wurde wegen seines Alters kein Haar gekrümmt. Er blieb in Damassack und nachdem ich ihn eines Tages besuchen durfte, gab er mir die Mädchenkleidung. Er sagte, ich solle an allen Kontrollstellen sagen, ich heiße Yana.

Wir konnten so den Komadugu Fluss überqueren und marschierten noch 15 Kilometer weiter bis zum Gagamari Lager. Wir erhielten ein Zelt, etwas zu essen und Wasser. Eine Schule gab es nicht.


 

Am 20. Juni ist Weltflüchtingstag. Bitte helfen Sie uns Kindern auf der Flucht nicht nur mit Nahrung und Unterkunft, sondern auch mit Spiel-und Bildungsgeboten in sicherer Umgebung zu helfen. Das ist ihnen und ihren Familien sehr wichtig.

Einmalspende für Flüchtlinge

Regelmäßig monatlich spenden  (Beitrag frei wählbar und jederzeit kündbar)

Spendenkonto Flüchtlinge:
Postbank Frankfurt
Konto: 66601, BLZ 500 100 60
IBAN: DE93 5001 0060 0000 0666 01
Verwendungszweck: Hilfe für Flüchtlinge 403909


Eines Tages kamen World Vision Mitarbeiter und befragten uns. Als sie das nächste Mal ins Lager kamen, errichteten sie ein Kinderzelt. Hier können wir alle zusammen spielen, singen, tanzen und sogar lernen.

Unsere Eltern sind froh, weil wir uns nun nicht mehr im Busch beim Spielen verletzen. Es tut gut hier zu spielen und ein wenig die Vergangenheit zu vergessen. Wir haben auch Hefte und anderes Schulmaterial bekommen. Ich bin jeden Tag hier.

Aber am besten ist: Erwachsene haben hier im Kinderschutzzelt keinen Zutritt! Vielen Dank World Vision!

 

Schreiben Sie einen Kommentar


sieben − = 5