Junge Mutter, erfahrene Entwicklungshelferin: Beim Miterleben beginnt man zu verstehen wer Hoffnung hat und wer einsam ist

Hruska_Bangladesch_gruppe

Bei Marianna Hruska ist der Wille, Armut zu bekämpfen, noch gewachsen, seit sie selbst Mutter wurde. Allein gelassene Kinder zu treffen, macht sie bei ihren Projektbesuchen immer besonders betroffen. Und es bewegt sie, wenn Eltern trotz ihrer Schwierigkeiten beginnen, in die Zukunft ihrer Kinder zu investieren.

Blogserie “Was mich bewegt”, Teil 2

Ich arbeite seit 7 Jahren im Bereich der Entwicklungshilfe und habe mich in der Zeit daran gewöhnt, mit sehr armen Menschen in Kontakt zu treten. Lange habe ich auch mitten unter ihnen gelebt.  Seit einem Jahr arbeite ich nun bei World Vision als Referentin für Entwicklungszusammenarbeit und besuche mehrmals im Jahr unsere Projekte in Bangladesch und in der Mongolei, denn vor Ort kann ich direkt mit vielen Menschen sprechen, ihre Lage besser einschätzen und auch mit den Kollegen vor Ort viele Aspekte der Projektarbeit besprechen.

Sich an die  Armut zu gewöhnen, heißt nicht diese zu akzeptieren! Im Gegenteil wächst in mir immer stärker der Wille, meinen Beitrag zu leisten, um Armut und Aussichtslosigkeit zu bekämpfen. In meiner täglichen Arbeit beschäftige ich mich viel mit den Plänen, Fakten und Berichten zu unseren Projekten, aber ich habe auch die Chance, die Kinder, Familien und Gruppen in unseren Projektgebieten persönlich zu treffen. Ich empfinde dies als ein großes Glück, denn ich glaube, dass man erst beim Blick in die Augen einer Person und beim Erleben ihres Umfeldes wirklich anfängt zu verstehen, wie es dieser Person geht, was sie fühlt und ob sie ein bisschen Hoffnung für ihre Zukunft hat. Und diese Person gibt mir auch Rückmeldung, ob ich richtig liege mit meinen Annahmen.

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Wie es den Tieren armer Familien geht und was sie den Familien bedeuten will World Vision-MItarbeiterin Marianna Hruska bei ihren Projektbesuchen auch wissen.

 

Ich bin selbst junge Mutter und reagiere besonders sensibel auf Kinder, die alleine sind, weil kein Erwachsener Zeit, Wille oder Möglichkeiten hat, sich um sie zu kümmern. Die Einsamkeit eines vernachlässigten Kindes hat sehr viele schlimme Nachfolgen, denn es ist oft schlecht ernährt, wird wenig beim Lernen gefördert und muss oft verschiedene Formen der Gewalt ertragen. Sehr belastend muss es auch für ein Kind sein mit der Vorstellung aufzuwachsen, dass es alles immer alleine durchstehen muss, weil es nie auf andere zählen kann. Ich stelle mir bei solchen Erlebnissen immer meine Tochter vor. Sie ist kaum 2 Jahre alt und alle kümmern sich um sie, damit es ihr gut geht und sie alle Chancen im Leben nutzen kann. In vielen Familien, die ich bei der Arbeit kennen lerne, passiert leider das Gegenteil.

Die Hintergründe zu verstehen ist wichtig in meiner Arbeit. In armen Ländern gibt es natürlich gute und schlechte Menschen, wie überall in der Welt. Es gibt aber auch so drückende Armut, die Eltern keine andere Entscheidungsmöglichkeit lässt, als arbeiten zu gehen, auch wenn sie wissen, dass die Kinder von niemandem betreut werden können. Oder sie haben einfach keine Kraft und nicht das Wissen, um sich um alle Aspekte des Lebens eines Kindes zu kümmern.

 

Deswegen finde ich die Arbeit, die World Vision gerade in der frühkindlichen Förderung leistet, sehr wichtig. In der Mongolei werden zum Beispiel Jurten- Kindergärten in den ärmsten Distrikten eröffnet (in Zusammenarbeit mit der Regierung – wegen der Nachhaltigkeit), damit auch die Kinder der ärmsten Familien eine Chance bekommen, von jemandem liebevoll betreut zu werden, mindestens eine gesunde Mahlzeit am Tag haben und vor Gewalt geschützt zu werden. Dazu schult World Vision die Erzieher und Erzieherinnen auch zu Kinderrechten und gewaltfreier Erziehung, damit die Erziehung kindergerecht läuft und eventuelle Kinderschutz Probleme von den Erziehern früh genug erkannt werden.

Zuhause können viele Kinder armer Familien nicht gut betreut werden. Einen Kindergarten zu besuchen ist außerdem auch für mongolische Kinder oft die Voraussetzung, um an einer Schule angenommen zu werden. In armen Distrikten und auf dem Land gibt es aber nicht überall Kindergärten. World Vision unterstützt daher seit Jahren die frühkindliche Förderung in Kindergärten.

Zuhause können viele Kinder armer Familien nicht gut betreut werden. Einen Kindergarten zu besuchen ist außerdem auch für mongolische Kinder oft die Voraussetzung, um an einer Schule angenommen zu werden. In armen Distrikten und auf dem Land gibt es aber nicht überall Kindergärten. World Vision unterstützt daher seit Jahren die frühkindliche Förderung in Kindergärten.

Oft kann ich mich auch über  Eltern freuen, die sich ihrer extremen Armut bewusst sind, aber trotzdem nie den Mut verlieren und an eine bessere Zukunft für ihre Kinder glauben. In einem Projekt in Ulan Bator habe ich zum Beispiel eine Mutter getroffen, deren Familie vor kurzer Zeit in ein Projekt einbezogen wurde.  Sie war vom Land in die Stadt gezogen, da sie alle ihre Tiere verloren hatte. Sie hatte Brustkrebs überlebt, hatte kein Einkommen, ihr Mann war Tagelöhner, und sie lebten im ärmsten Distrikt, weit weg von allen Dienstleistungen; trotzdem leuchteten ihre Augen auf, wenn sie über ihren Sohn sprach, der in die Schule ging und sehr gute Noten erhielt. Sie erzählte mir, wie sie und ihr Mann, trotz ihrer Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben, ihrem Sohn helfen.

Unsere mongolischen Mitarbeiter haben diese Eltern über die Wichtigkeit von Bildung und über Kinderrechte aufgeklärt. Die Eltern haben die Botschaften ganz offensichtlich angenommen und erkennen ihre Möglichkeiten, um ihrem Kind neue Türen zu öffnen. Wie gut, dass Paten und Spender in Deutschland auch an die Möglichkeiten dieser Kinder glauben und wir gemeinsam vieles zum Guten verändern können.

1 Kommentar

  1. Regina Steinmann, 6. September 2016

    Ja ich habe den Artikel gelesen kann mir aber auch die Armut vorstellen.
    Ich bin in meinem Beruf als Gerichtsvollzieherin auch oft mit Menschen zusammen die das Gefühl haben keinerlei Perspektiven zu haben.
    Perspektiven haben heißt Hoffnung haben.

    Die Arbeit von World Vision kann man nicht hoch genug einschätzen und ich hoffe die Organisation bleibt weiterhin frei von mißbräuchlicher Verwendung der Gelder ( schwarze Schafe gibt es dennoch überall ).

    Weiter so………..

    Regina Steinmann

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