Was mich bewegt: Elend und Hoffnung im Kongo

FluechtendeBeni

Die erstarrten Körper sind ineinander verknäult, liegen miteinander, übereinander auf dem blutdurchtränkten Boden. Frauen, Kinder, alte Männer. Ihre Leiber sind von Machetenhieben, von Stichwunden und Schussverletzungen gezeichnet. Es sind 50, vielleicht 60 Leichen, die hier, am Rand der kongolesischen Stadt Beni, zum Abtransport ins zentrale Krankenhaus bereitliegen.

Diese Menschen sind Opfer eines Massakers geworden. In der Nacht des 14. August, einem Samstag, hatten angebliche Rebellen die kleine Siedlung überfallen und alle gemordet, die nicht fliehen konnten. 26 Kinder wurden verschleppt. Vermutlich werden sie als Soldaten und Sexsklavinnen missbraucht. Massaker, Überfälle, Entführungen prägen das Leben im Ostkongo seit 20 Jahren. Verschiedenste Rebellengruppen kämpfen um Einfluss, um die Gold- und Coltanminen, um die Möglichkeit, mit illegalem Verkauf von Edelholz ihre Kriegskassen aufzufüllen. Ihnen steht eine Regierungsarmee gegenüber, die die Bevölkerung ebenso wenig schützt wie Truppen der Vereinten Nationen, die hier unter dem Namen MONUSCO stationiert sind.

Kirchen genießen Vertrauen, nicht die Politik, nicht die Armee.

Kirchen genießen Vertrauen, nicht die Politik, nicht die Armee.

Am Tag nach dem Massaker demonstrieren Zivilisten in der Innenstadt von Beni gegen die Gewalt. Die Polizei antwortet mit Tränengas. Am Tag drauf kommt es wieder zu Demonstrationen. Der Polizei geht das Tränengas aus, es wird scharf geschossen, ein Demonstrant stirbt. Die Menschen wissen, dass ihr Leben in Gefahr ist, wenn sie ihrem Unmut sichtbar Luft verschaffen. Sie wissen, dass sie beobachtet, verfolgt, verraten werden. Und sie lassen sich dennoch nicht mundtot machen.

Armee, Polizei, Rebellen, Nachbarstaaten – alle verdienen an der Ausplünderung der Ressourcen im Osten des Kongos. Keiner hat ein Interesse daran, dass so etwas wie Frieden oder auch nur Stabilität in die Region einzieht. Für die Plünderer könnte es ewig so weitergehen, spielt die Anzahl der Opfer keine Rolle. Für die Einwohner von Beni tut es das aber. Und sie lassen sich nicht mehr klein halten. Und nur, wenn der Druck von der Straße hält, größer wird, gefährlich für die Machthaber – erst dann kann es zu einer Lösung kommen. Erst dann werden Monusco, Armee und Nachbarstaaten ihr Verhalten ändern. Ihre jeweilige Passivität oder ihre zerstörerische Rolle ablegen. Und ein gemeinsames Vorgehen zum Wohl der Zivilbevölkerung vereinbaren.

 

Marktplatz zwischen Beni und Butembo - täglicher Kampf ums Überleben

Marktplatz zwischen Beni und Butembo – täglicher Kampf ums Überleben

 

 

 

 

 

Es
Es wird dauern, bis das geschieht. Es wird weitere Opfer geben, weitere Demonstrationen und Unruhen. Dass sich die Menschen in Beni nicht unterkriegen lassen, die Verbrechen und die Unfähigkeit dagegen vorzugehen nicht mehr hinnehmen, schafft Hoffnung. Wir können die Menschen nur darin unterstützen, mit bescheidenen Mitteln. Wir können zeigen, dass wir da sind, als World Vision, als Freunde und Beobachter. Als Menschen, die das Schicksal des Ostkongos bewegt.

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