Lesescout zu sein ist im äthiopischen Dorf eine Auszeichnung  

s160062-1: Reading Buddies

Um auch den Kindern aus den ärmsten Ländern dieser Welt gute Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten zu geben, ist noch viel zu tun. Dies zeigt der gerade veröffentlichte Weltbildungsbericht der UNESCO. Unser Programm zur Leseförderung, das inzwischen in 17 Ländern umgesetzt wird und auch bereits vielen Patenkindern zugute kommt, ist jedoch eine Erfolgsgeschichte. Frühes Lesen öffnet den Kindern die Augen für die Welt um sie herum und macht es ihnen viel leichter, in der Schule gut voran zu kommen. Hier erzählt eine äthiopische Familie von ihren Erfahrungen.

“Als ich in den unteren Klassen war, hatte ich viele Schulprobleme, denn ich konnte schlecht lesen”, erzählt uns ein 16jähriger Teenager aus dem Distrikt Nono in Äthiopien.  “Anders als meine jüngeren Geschwister habe ich spät angefangen zu lesen.”

Vor einigen Jahren gab es noch keine Leseförderung für die Kinder in seiner Region. Das hat sich durch ein 2014 gestartetes Alphabetisierungsprogramm von World Vision geändert, und Giduma, der jetzt die achte Klasse besucht, zählt zu den ehrenamtlichen Helfern in diesem Programm. “Ich habe aus meinen eigenen Schwierigkeiten gelernt und wollte meine Geschwister und die anderen Kinder im Dorf unterstützen, damit sie es leichter haben”, sagt er über seine Motivation.  Giduma ist das älteste von fünf Kindern in seiner Familie.

Da Giduma nach großen eigenen Anstrengungen inzwischen ein guter Schüler ist, schlugen ihn seine Lehrer als Lesescout vor. Lesescouts sind Schülerinnen und Schüler, die jüngeren Kindern beim Lesen üben helfen. World Vision unterstützt die Einführung von Lesescouts an Schulen in Zusammenarbeit mit der Regierung. Sie sind einer von mehreren Bausteinen  bei der aktiven Einbeziehung des Umfelds der Kinder, die für den Erfolg und die Nachhaltigkeit von Bildungsprojekten sehr wichtig ist.

“Ich fand es toll als Lesescout ausgewählt zu werden”, sagt Giduma. “Es ist eine Auszeichnung. Mit den verschiedenen Büchern, die ich von World Vison bekomme, helfe ich meinen Brüdern und Schwestern lesen und schreiben zu lernen. Ich stelle ihnen zum Beispiel Fragen zu den Geschichten, die wir zusammen lesen, und ich ermutige sie, sich die Wörter und Buchstaben gut zu merken.”

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Mit seinen 14 Jahren kann Wakuma, Gidumas ältester Bruder, die Unterschiede schon am klarsten beschreiben.  “Ich fand es am Anfang sehr schwierig mir die Buchstaben zu merken und konnte erst am Ende der zweiten Klasse Wörter lesen. Deshalb musste ich immer raten, um Fragen in Tests zu beantworten. Jetzt üben wir mit Giduma zuhause, und meine Noten in der Schule sind viel besser geworden.” Dieses Jahr hatte er das viertbeste Zeugnis seiner Klasse. Er hofft, im nächsten Jahr Erster zu werden so wie Giduma.

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Gidumas Schwester Keneni übt noch mit den Buchstaben und wie man sie zu Wörtern zusammensetzt.

 

An den Wochenenden besuchen Gidumas Geschwister zusätzlich ein Lesecamp. Dort können die Kinder in entspannter Atmosphäre bei Lese-und Schreibübungen vertiefen, was sie in der Schule gelernt haben.  Über 9.000 Schülerinnen und Schüler kommen in die 91 Lesecamps, die World Vision im Distrikt Nono eingerichtet hat. Da es in den Dörfern nicht viel ansprechendes Lesematerial für Kinder gab, hat World Vision auch die Herstellung von 169 neuen Buchtiteln in zwei Sprachen unterstützt.

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Den Eltern und Gemeindeautoritäten wurden zuerst die Ziele und Methoden des Programms nahegebracht, dann außerdem Vorschläge an die Hand gegeben, wie sie selbst auch mit geringen Mitteln etwas zur Lernmotivation und zum Bildungserfolg ihrer Kinder beitragen können.


 

Dieses Video zeigt den umfassenden Ansatz unseres Alphabetisierungsprogramms am Beispiel von Äthiopien.


 

Wie die Eltern ihre Kinder unterstützen können

Gidumas Mutter Bekelu und ihr Mann haben in ihrem Haus eine Leseecke eingerichtet. Dort haben die Kinder Platz zum Lesen, finden ihre Bücher und dekorieren die Wände mit den Zeichnungen oder Bastelarbeiten, die sie aus dem Lesecamp oder aus der Schule mitbringen.

Bekele berichtet: “Früher haben wir unsere Kinder zwar zur Schule geschickt, aber sie konnten nur einige Buchstaben schreiben und nicht richtig lesen. Mein Mann und ich hatten zu wenig Zeit und keine gute Idee um ihnen helfen zu können. Seit sie das Lesecamp besuchen und mit Giduma zuhause lernen, habe ich große Fortschritte bei ihnen allen gesehen. Ich bin glücklich ihre Leistungen und ihren Erfolg zu sehen.”

Autor: Meron Belay, World Vision Ethiopia

Noch eine Anregung: Eine Spende für Bücher und Lehrmaterial macht doppelt Freude über das Gute Geschenk

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