Äthiopien: Meine Reise zum Patenkind Sintayehu

Frau Bergemann mit ihrem Patenkind Sintayehu.

Von Frau Bergemann

Seit nunmehr 10 Jahren unterstütze ich mein Patenkind Sintayehu, seine Familie, sein Dorf und World Vision. Wir stehen in regelmäßigem Briefkontakt und schreiben uns regelmäßig. Inzwischen ist allerdings aus dem Kind ist ein 18jähriger junger Mann geworden. Die regelmäßige Zusendung seiner Jahreszeugnisses und der Projektberichte von World Vision boten mir die Gelegenheit seine persönliche Entwicklung mitzuverfolgen. Jetzt wurde es für mich höchste Zeit ihn persönlich kennenzulernen. Ich wollte ihn mit meinen eigenen Augen in seiner Welt sehen und erleben und freute mich riesig. Ich hoffte, ihn dadurch besser verstehen zu können.

Nach verschiedenen Medienberichten aus den letzten Jahren wunderte ich mich keineswegs  über die Anforderung eines polizeilichen Führungszeugnisses für mich und meine mich begleitende Tochter. Gut geschützt durch die erforderlichen Reiseimpfungen starteten wir unsere Reise nach Äthiopien. Es war mein erster Besuch in Afrika, einer geheimnisvollen, für mich bisher völlig unbekannten Welt. Als Sozialarbeiterin einer psychiatrischen Klinik treffe ich immer wieder Kranke, die auf Hilfe angewiesen sind und diese durch die möglichen sozialstaatlichen Angebote auch erhalten können. Doch die Not und offensichtliche Armut vieler Menschen in Addis Abeba steht in keinem Vergleich dazu und übertraf meine schlimmsten Befürchtungen.

Zu den leidenden Bevölkerungsgruppen gehören neben zahlreichen Straßenkindern Mütter mit ihren Kindern, Behinderte, Kriegsopfer und alte Menschen. Hin und wieder sahen wir Plakate mit Hinweisen auf Hilfsprojekte für die Erziehung und Ausbildung von Straßenkindern, für die Unterstützung HIV-Kranker und gegen den frühen Tod werdender Mütter. Aufgrund fehlender Informationsmöglichkeit konnte ich mir aber keinen Eindruck über die tatsächlich angebotenen Hilfen machen. Stattdessen sahen wir jeden Tag erneut die  zahllosen Bettler auf den Straßen von Addis. Überall in der Stadt sah man zahlreiche vor allem junge Männer auf der Suche nach einer Arbeitsgelegenheit. Bei all dieser Not verstehe ich, dass diese Menschen auf jede nur denkbare Art und Weise versuchen, an unser Geld zu kommen, weil wir aus ihrer Sicht reich sind. Das wiederum bedeutete für uns absolute Obacht für uns selbst von früh bis spät.

Nach wenigen Tagen war es endlich so weit und wir verließen die Hauptstadt. Der Projektleiter von World Vision Gemza und Antsokia Mr. Mekonnen Fitwe und zwei seiner Mitarbeiter holten uns in unserem Hotel ab. Gemeinsam fuhren wir einen ganzen Tag lang mit ihnen 350 km ins Landesinnere gen Norden. Unser Weg führte uns immer höher hinauf ins äthiopische Hochland. Die einzige Straße in Richtung Norden wird zur Zeit von Chinesen(!) neu gebaut, so dass wir häufig auf provisorischen Straßen und Umleitungen fuhren. Durch die anfangs herrschende Trockenheit war die Landschaft kilometerweit in riesige Staubwolken gehüllt. Am meisten beeindruckten uns jedoch die ungewohnt vielen Menschen und Tiere auf den Straßen und am Straßenrand, bunt gekleidete Männer, Frauen und Kinder, alleine oder in Gruppen, häufig schleppten sie leuchtend gelbe Wasserkanister. Esel- und Pferdegespanne, kleinere und größere Tierherden mit und ohne Begleitung waren ebenso unterwegs wie Jeeps, überladene Überlandbusse und Lastautos. Häufig stand plötzlich hinter einer Kurve eine Herde Tiere (Rinder, Esel und Schafe) mitten auf der Straße oder eine Kuh sprang plötzlich auf die Fahrbahn. Das bedeutete für unseren Fahrer Haile ständige Konzentration und prompte Reaktion.

Die Dörfer am Wegesrand mit ihren strohgedeckten Rundhütten wirkten auf uns beinahe märchenhaft, wie in die Landschaft eingebettet und scheinbar mit ihr verbunden oder verwoben. Die Bauern des Hochlandes waren mit dem Dreschen beschäftigt. Dies geschieht immer noch in althergebrachter Art. Kühe, Esel und Schafe werden nebeneinander gebunden und stundenlang im Kreis über das auf dem Boden liegende Getreide geführt. Die reifen Körner wurden aus den Halmen getreten und später durch das Hochwerfen des Strohs vom Korn getrennt. Die spitzen Steine der Schotterstraßen führten an unserem Jeep zu einer Reifenpanne, die unsere Reisebegleiter in Teamarbeit im Handumdrehen behoben. Wir verließen das Hochland und erreichten eine fruchtbare Ebene, die von einem riesigen Fluss durchzogen wird, der sich uns nur als Rinnsal präsentierte. Hier bereiteten die Bauern ihre Äcker mit ihren althergebrachten Holzpflügen bereits für die nächste Saat vor.

Wir verließen die asphaltierte Straße und folgten einer holperigen Straße in Richtung der hohen Berge. Dort befindet sich das World-Vision Projekt Antsokia. Wir konnten im dem einfachen Gästehaus von World Vision übernachten und stellten dabei fest, dass sich Strom und Wasser vor Ort befinden. Bereits an diesem Abend konnten wir die besondere warmherzige Gastfreundschaft unserer Gastgeber genießen. Beim gemeinsamen Abendessen informierte uns Mekonnen über die World Vision Projekte Gemza und Antsokia, über das bisher Erreichte und die weiteren Ziele. Er erklärte uns die fünf Säulen der Arbeit von World Vision. Es handelt sich dabei um die Bereiche Landwirtschaft von der Bodenverbesserung über den Anbau alternativer Früchte bis zum Vertrieb landwirtschaftlicher Produkte, die Beendigung der Beschneidung der Frauen und somit die Mädchensterblichkeit und die  Müttersterblichkeit bei der Geburt ihrer Kinder, die Reduzierung von HIV-Infektionen durch Aufklärung und die Behandlung von Aids, die Erziehung und Bildung von Kindern und Erwachsenen sowie die Arbeit mit den Sponsoren – und das alles auf christlichem Hintergrund. World Vision beschäftigt vor Ort nur äthiopische Spezialisten der jeweiligen Bereiche. Als besonderen Abschluss des Ankunftstages wurde für uns eine traditionelle Kaffeezeremonie präsentiert.

Bei einem Patenbesuch werden die Besucher durch World Vision-Mitarbeiter i.d.R. umfassend zu den jeweiligen Projektschwerpunkten informiert.

Bei einem Patenbesuch werden die Besucher durch World Vision-Mitarbeiter i.d.R. umfassend zu den jeweiligen Projektschwerpunkten informiert.

Am folgenden Tag war es dann endlich so weit und der lang ersehnte Besuch beim Patenkind stand an. Vor der Fahrt mussten wir uns durch Unterschrift verpflichten weder unsere Adresse noch unserer Telefonnummer weiterzugeben. Außerdem wurde mir die Gelegenheit angeboten, dem Patenkind neben meinen mitgebrachten Geschenken noch eine Geldspende in Höhe von maximal 100,-€ zu überbringen. Aus einer Spendensammlung anlässlich meines Geburtstages hatte ich jedoch bereits vor einigen Monaten Geld an die Familie und an das Projekt überwiesen, so dass ich davon Abstand nahm. Dann fuhren wir los. In Begleitung des Projektleiters und einiger seiner Mitarbeiter fuhren wir in das Projekt Gemza. Ich freute mich sehr, Sintayehu und seine Familie in ihrer Welt kennenzulernen, mit eigenen Augen zu sehen und mit eigenen Ohren zu hören wie sie leben. Unterwegs nahmen wir den Betreuer Alehgne auf, der mein Patenkind seit Jahren kennt und betreut. Sintayehu wartete in seiner kleinen Stadt vor dem Haus seiner Mutter am Rande eines großen Marktplatzes. Er war sicher ebenso gespannt wie ich und trug für diesen Anlass ein traditionell gemustertes Shirt. Er ist das jüngste Kind einer allein erziehenden älteren Frau und lebt mir ihr und seiner Großmutter in einem der vor Ort üblichen kleinen Lehmhäuser.

Der 18jährige begrüßte mich mit einem Händedruck und führte mich und meine Tochter mit den World-Vision Mitarbeitern in das Haus seiner Mutter, wo wir von ihr und der gesamten Großfamilie sehr herzlich begrüßt wurden. Im Vorfeld hatte ich lange überlegt, was ich schenken wollte und hatte mich als Hauptgeschenk für ein Spiel entschieden, in der Hoffnung damit für längere Zeit Freude zu bringen. Offensichtlich kamen jedoch die übrigen kleinen Geschenke, ein T-Shirt, ein Taschenmesser, eine Mütze und einen Beutel voller Kugelschreiber besser an. Die Mutter strahlte über ihr Magnetarmband und meine rote Sommerjacke,  während die anwesenden Kinder der Großfamilie sich an den Geschenken meiner Tochter, einem Ball, Süßigkeiten und einem Kartenspiel erfreuten. Zur Erklärung des mitgebrachten Spieles und in Ermangelung einer englischen Spielanleitung spielten wir zuallererst einige Spielzüge des „don´t worry“ und erklärten es durch „learning by doing“. Für mich war das war ein schöner Einstieg in die folgenden Gespräche. Mekonnen war der Dolmetscher aller Gespräche. Sintayehu hatte zwar in seiner Schule Englisch gelernt, doch bisher fehlte ihm die Gelegenheit dies im Alltag zu trainieren. Kein Wunder also, dass er unsicher war.

Sintayehus Mutter hatte für uns traditionelles äthiopisches Essen vorbereitet. Es handelt sich dabei um Injera, einen runden pfannkuchen-ähnlichen Sauerteigfladen, der den ganzen Tisch bedeckt. Darauf werden Häufchen verschiedener Soßen mit oder ohne Fleisch und Gemüsesorten angerichtet. Alle Anwesenden setzen sich um den Tisch und essen mit ihrer rechten Hand. Man reißt dabei kleine Teile des Fladens  ab und ergreift damit etwas Soße oder Gemüse und führt dies zum Mund. Alle Gäste und Sintayehu genossen die Traditionsspeise an dem kleinen runden Tisch des Hauses, während für die alte Oma ein Extra-Tischchen gedeckt worden war. Die aktuelle soziale Situation von Sintayehu ist folgende: Er hat seine Schule beendet und konnte nicht – wie von ihm geplant – die staatliche Highschool besuchen, weil seine Durchschnittsnote nur eine Zwei war. Er hat jetzt eine ehrenamtliche Tätigkeit und erhält dafür ein kleines Gehalt in Höhe von ca. 20,-$. Eine andere Arbeit ist für ihn nicht in Aussicht. Sintayehu muss jedoch seinen Lohn Zuhause abgeben, denn er ist als äthiopischer Mann verpflichtet für seine Familie zu sorgen. Der Grund ist das fehlende soziale Netz, so dass er zur Fürsorge verpflichtet ist. „This is a must!“ erklärte Mekonnen. Dieser berichtete, dass World Vision Qualifizierungsmaßnahmen für junge Leute anbietet. Dabei können diese handwerkliche Tätigkeiten erlernen, von der sie sich und ihre Familie ernähren können.

Sintayehus Mutter ließ zwischendurch von ihrer Enkeltochter Bananen servieren und begann mit der zeremoniellen Kaffeezubereitung. Sintayehu berichtete vom seinem mit World-Vision abgestimmten Plan vom den Geld aus meiner Geburtstagssammlung eine Kuh zu kaufen. Dann hat die Familie Milch und Butter für den Eigenbedarf und die Möglichkeit diese Produkte auch zu verkaufen. Auf meine Frage nach Weideland und der Versorgung der Kuh, gab er an, dass die (Groß-)Familie die Kuh versorgen wird. Die Schwester-Tochter servierte inzwischen schwarzen süßen äthiopischen Kaffee. Der für die Health-Projekte von World-Vision zuständige Mitarbeiter Adane berichtete über Sintayehus  ehrenamtliche Beschäftigung in dem von World-Vision initiierten HIV- und Aids-Projekt. Voll Stolz zeigte Sintayehu einige Fotos, die ihn und seine Freunde bei ihrer Tätigkeit zeigten. Die Jugendlichen versorgen gemeinsam mehrmals pro Woche Aids-Kranke, waschen deren Wäsche und betreuen die Sterbenskranken bis zu deren Tod. Sintayehu ging förmlich auf in seinem Bericht und zeigte uns voller Stolz die Bilder. Adane beschrieb ihn als sehr engagierten Mitarbeiter. Hier hakte ich ein und fragte, was aus seinem mir aus seinen Briefen bekannten Berufswunsch „Medical Assistent“ geworden sei. Die Umsetzung dieser Ausbildung war an der Zwei in der Schule gescheitert. Mekonnen bot die Unterstützung von World Vision für den Besuch einer privaten Highschool für Sintayehu an, damit er seinen Berufswunsch weiter verfolgen und in die Realität umsetzen könnte. Ich versprach meine weitere finanzielle Unterstützung solange das Projekt bestünde. Mekonnen hatte am Vorabend von weiteren drei bis sechs geplanten Jahren gesprochen. Das wäre doch die Chance für Sintayehu, seine erhoffte Ausbildung doch noch nachzuholen!

Die Zeit verging wie im Fluge. Sintayehus Mutter hatte einen äthiopischen Tonkrug besorgt, der den Krügen ähnelt, in denen der äthiopische Kaffee zubereitet wird. Sie überreichte ihn mir als Geschenk und lächelte, nahm jedoch sofort die Hand vor ihren Mund, als wollte sie ihr Lächeln verbergen. Als sie jedoch meine Freude sah, wirkte sie glücklich und zufrieden und setzte sich wieder auf den Boden um die Kaffeezeremonie fortzuführen. Ich war überzeugt davon, dass sie sich für meinen Besuch in finanzielle Unkosten gestürzt hatte und formulierte dies in meinen Dankesworten. Sie betonte jedoch die für sie selbstverständliche Gastfreundschaft. Ich wollte mich zu ihr auf den Boden setzen um ihr meine Hochachtung auszudrücken, als mir jemand sofort einen Hocker brachte. Ich aber setzte mich kurzerhand neben die Mutter, um ihr zu zeigen, dass wir menschlich auf einer Stufe stehen. Sie wollte wissen, warum ich seinerzeit sie und ihr Kind zur Unterstützung ausgewählt hatte. Ich erklärte es ihr durch die Tatsache, dass ich viele Jahre lang selbst alleinerziehende Mutter gewesen war. Anschließend wollte ich unbedingt noch einige Worte mit der 90jährigen Oma sprechen. Sie war während der gesamten Besuchsdauer im Raum geblieben und hatte interessiert zugehört und zugesehen. Jetzt berichtete sie aus ihrem Leben.

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Erfahrungsaustausch über Kulturen hinweg – ein sehr interessantes wie auch wohl einmaliges Erlebnis.

Kurz nach dem Einmarsch von Mussolinis Truppen in Äthiopien soll ihre Tochter, Sintayehus Mutter, geboren worden sein. Sie gab an, zeitlebens ein gläubiger Mensch gewesen und daher mindestens elfmal zu Fuß zu der 250 km entfernten heiligen Stätte gepilgert zu sein, an der ein Teil von Christis Kreuz aufbewahrt werde. Außerdem war sie mehrere Male nach Lalibela gewandert. Die Zeit verging wie im Flug und der Abschied nahte. Meine Tochter erklärte den Kinder noch das mitgebrachte Quartett. Sintayehus Mutter schlüpfte in ihre neue Sommerjacke und setzte die dazugehörige Kapuze auf. Mir fiel auf, dass sie wieder scheu lächelte, dies aber gleichzeitig zu verbergen suchte. Wir verabschiedeten uns herzlich von Sintayehus Mutter und seiner Familie, während er uns weiterhin begleiten konnte. World Vision bot uns nämlich noch die Gelegenheit das Health Center mit seinen verschiedenen Abteilungen zu besichtigen. Es gibt dort ein breites Hilfsangebot für die Bevölkerung von Prävention bis zu sozial-medizinscher Betreuung. Das beinhaltet Infos und die Umsetzung von Empfängnisverhütung über die Betreuung und Untersuchung schwangerer Frauen einschließlich der Möglichkeit der Geburtshilfe in einem Entbindungsraum, die regelmäßige Untersuchung von Neugeborenen und Kleinkindern. Zusätzlich werden HIV-Tests angeboten. Auch hier gilt wie in Deutschland die Schweigepflicht bei der Diagnosestellung, das heißt es liegt im Ermessen des Betroffenen, wie er/sie damit umgeht. Das Health Center bietet außerdem die bereits erwähnten Angebote in der Versorgung und Betreuung HIV-Infizierter und Aids-Kranker. Sintayehu präsentierte uns stolz den Ort seiner Tätigkeit, während ein Projektmitarbeiter den Verlauf des HIV-Tests, die Information des Betroffenen durch speziell ausgebildete Pfleger und die Schweigepflicht im Umgang mit dem Ergebnis erläuterte.

Am folgenden Tag hielt ich zufällig ein englisches Schulbuch einer Secondary-School in Händen, in dem ich einen Artikel sah, duch den bereits die Kinder lernen, wie sie sich vor der Ansteckung dieser häufig todbringenden Krankheit schützen können. Für uns folgte noch die Besichtigung der High-School von Gemza, die mithilfe finanzieller Unterstützung von World Vision errichtet worden war. Der Direktor der Schule führte uns in einen Klassenraum, in dem bis zu 60 Schüler (!) in einem Klassenzimmer unterrichtet werden. Wir sahen den Stundenplan der Schüler, den in einem Schrank versperrten Plasma-TV (aus einer Spende) und die kleine Leihbibliothek für Schulbücher. Vor den einzelnen Schulgebäuden befinden sich von den Schülern angelegte Gärten, in denen sie als Teil ihres Unterrichts die Kultivierung von Gemüse, einzelnen Bäumen und auch von Blumen erlernen können. Dann hieß es endgültig Abschied von Sintayehu zu nehmen. Ich war froh und glücklich ihn in seiner Welt erlebt zu haben und glaubte ihn jetzt besser verstehen zu können.

Am folgenden Tag erhielten wir die Chance in Begleitung von World-Vision-Mitarbeitern einige weitere Projekte in Antsokia (Health Center und Secondary School) zu besichtigen und einen Spaziergang – umringt von einer großen Kinderschar – auf die nahen Felder zu unternehmen. Und wieder boten sich uns unvergessliche Bilder von glücklichen Menschen, die ihrem Tagesablauf und den damit erforderlichen Tätigkeiten mit Freude und offensichtlicher Dankbarkeit nachkommen. Meine Gedanken wanderten zurück nach Gemza und zu meinem Patenkind und seiner Familie. Ich haderte mit mir, weil ich nicht die erlaubten 100,-€ als Gastgeschenk gegeben hatte, denn was sind für mich schon 100,-€ im Vergleich dazu, welche langfristig große Hilfe dadurch entstehen kann. Außerdem sah ich jetzt die große Anforderung, die die Gesellschaft an den jungen Mann stellt. Er muss für seine Familie sorgen, weil der Staat dazu nicht in der Lage ist . Gleichzeitig verstehe ich aber auch den Sinn der Vorschrift von World-Vision nach Geheimhaltung der persönlichen Daten. Ich suchte daher den Projektleiter Mekonnen in seinem Büro auf und überreichte ihm das Geldgeschenk mit der Bitte dieses an Sinayehu und seine Familie weiterzugeben. Er nahm das Geld an sich und gab uns das Gästebuch von World Vision mit der Bitte uns einzutragen. Nach einem heftigen Regenguss erhielten wir erneut die Gelegenheit uns in Begleitung im Dorf umzusehen. Als wir uns nach Einbruch der Dunkelheit in unsere Zimmer zurückgezogen hatten, vernahm ich plötzlich vor meinem Fenster Schritte. Mekonnen hatte für mich völlig überraschend Sintayehu abholen lassen. Sofort nach meiner Geldübergabe hatte er Haile, den Fahrer des Projektes losgeschickt um ihn abzuholen, damit ich das Geschenk persönlich überreichen konnte. Ich erhielt dadurch die Gelegenheit das erneute Geldgeschenk Sintayehu persönlich in die Hand zu drücken.

Resümierend stellten meine Tochter und ich am Ende unserer Reise fest, dass die Menschen auf dem Land und besonders in den Projekten von World Vision glücklicher und wesentlich besser leben können als in der Hauptstadt. Wir sind jedoch unsicher, ob sie das selber auch so einschätzen können. Unser Besuch bei World-Vision überzeugte uns, dass die Hilfe bei den einzelnen Personen, Familien und Projekten ankommt. Wir hoffen, dass die Menschen diese Hilfe zur Selbsthilfe las solche einschätzen und eines Tages dadurch selbst in der Lage sein werden, ohne fremde Hilfe mit ihrem neuen Wissen ihre Welt verbessern können.

Wenn auch Sie ein Patenkind unterstützen möchten, können Sie sich hier informieren:

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft.php

Was eine Kinderpatenschaft ausmacht:

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft-was-eine-kinder-patenschaft-ausmacht.php 

 

2 Kommentare

  1. Michael Marcussen, 6. Januar 2015

    Ein sehr detailliert und mit vielen interessanten Informationen geschriebener Reisebericht, der mich an mehreren Stellen sehr berührt hat.
    Vielen Dank an die Schreiberin Frau Bergemann!

  2. Kevin, 31. Juli 2016

    Ein wirklich toller, emotionaler und ausführlicher Bericht! Vielen Dank dafür :-)

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