Jugendtreffen in Kumasi

Gruppenbild in Kumasi

Sechster Tag
Autorin Inga von Grumbkow beschreibt die Begegnung mit ghanaischen Jugendlichen. Gemeinsam überlegen sie sich, was sie als Jugendliche ändern können.

Gestern Abend sind wir gut in Kumasi angekommen. Die Fahrt dahin war sehr schön. Ebenso wie von Accra nach Cape Coast hatten wir die Möglichkeit das Leben in Ghana im Schnelldurchlauf zu beobachten.


Der Weg in den Norden ist vor allem durch eine sich verändernde Landschaft geprägt: Das weitgehend flache Land wird zusehends hügeliger und grüner. Allerdings gilt meine volle Aufmerksamkeit den Straßen, die für sich schon ein Highlight in Ghana darstellen: Entweder besteht die Straße nur aus Schotter oder sie ist, ähnlich wie ein Schweizer Käse, mit riesigen und tiefen Schlaglöchern versehen. Aber nicht nur das; machen wir weiter mit den Verkehrsteilnehmern: Zunächst sind nicht nur, die für uns üblichen, Auto- und Kraftfahrer anzutreffen. Neben ihnen fristen auch, mitten auf der Straße, liegengebliebene Autos ihr Dasein, Fahrradfahrer und Fußgänger sind sowieso unterwegs und Ziegen nutzen die Straße auch gerne für ihre Unternehmungen. Sie rennen, ohne nach links und rechts zu schauen, auf die Straße, um dort dann ganz gemütlich den Weg fortzusetzen. Aber dieses leicht Radikale haben sie sich wohl von den menschlichen Verkehrsteilnehmern abgeguckt. Aber wir hatten ja zum Glück unseren Fahrer Fred, der uns sicher nach Kumasi gebracht hat.
Dort haben wir heute „Young People We Care“ (YPWC) getroffen. Diese gemeinnützige Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen Fragen und Themen rund um Entwicklungszusammenarbeit, die Millennium Development Goals und Menschenrechte nahe zu bringen und diese mit ihnen zu diskutieren. Diese Chance haben wir heute auch: wir besuchen eine Schule (am letzten Tag vor den Sommerferien), an der ein so genannter „Development Club“ von YPWC aktiv ist, und mit dem wir diskutieren werden. Wie immer sind die ersten Annäherungen etwas schüchtern, aber die Leute von YPWC haben es verstanden die Stimmung durch ein Spiel aufzulockern, so dass die Kommunikation danach entspannter ist. Die Themen sind sehr spannend und nicht besonders einfach. Unter anderem ging es um Mutter-, Kindgesundheit und um die Frage, wie wir diese Themen bzw. einfache Verbesserungsvorschläge unserem Umfeld näher bringen könnten. Ebenso unterhielten wir uns über die Gesundheitssysteme unserer Heimatländer. Das war wirklich aufschlussreich: 2 Rumänen, 2 Österreicher, 2 Deutsche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 18 Jahren aus Ghana, eine Mitarbeiterin von World Vision Ghana, eine Mitarbeiterin von World Vision Rumänien, ein Mitarbeiter von World Vision Deutschland, eine Amerikanerin, die seit ca. einem Jahr in Ghana für YPWC arbeitet und zwei weitere männliche Mitarbeiter von YPWC – Christen und Muslime bunt gemischt. Alle gemeinsam in einem Klassenzimmer, das keine schließbaren Fenster und Türen hat und auch nur durch Tageslicht beleuchtet werden kann. Auf dem Dach des Schulgebäudes jagen sich Hühner und an den Wänden gehen die Geckos hoch und obwohl alles in der Großstadt Kumasi spielt, wirkt die Umgebung wie 200 Kilometer vom nächsten größeren Ort entfernt. Und dort diskutieren wir, bei angenehmen Temperaturen, höchst wichtige, politische Themen und sammeln Ideen, die vielleicht mal etwas ändern können. Wir überlegen, ob Jugendliche nicht durch eine freiwillige Begleitung zum Krankenhaus, Familien dabei unterstützen können, ihre Kinder impfen zu lassen. Oder ob die kostenlose Abgabe von lokalen, gesunden Früchten und Gemüsesorten, Menschen über eine gesündere Ernährung informieren kann.
Trotz der sprachlichen Hürden (für alle Teilnehmer – bis auf die Amerikanerin – ist Englisch zumindest die zweite Sprache) und der kulturellen Unterschiede, entsteht ein reger Austausch über mögliche Aktivitäten. Und über alldem wächst ein Verständnis, dass wir vielleicht doch nicht so unterschiedlich sind, wie es auf den ersten Blick wirkt…
PS: Tanja und Julia sind zwar noch nicht wieder wohlauf, aber wohl auf dem Weg der Besserung. Tanja ruht sich viel aus. Julia ist heute nach Accra gefahren, um weiter zu genesen.

Schreiben Sie einen Kommentar


+ acht = 16