Tag der Einweihungen und Feste

Kenia-Reiseblog von Thomas Kalytta – 9.  Tag

Großes Gedränge am neuen Wasserhahn - jedes Kind möchte ihn als erstes ausprobieren.

Bin ja doch froh einen Bart zu tragen, denn leider finde ich hier nirgends einen Spiegel. Nach 5 Tagen empfiehlt es sich aber mal nachzuschauen, ob noch nicht alles zugewachsen ist. Immerhin ist heute der große Tag der Einweihungen und Ansprachen. Aber zum Glück gibt es ja Außenspiegel am Geländewagen und im Sonnenlicht klappt es ganz gut mit dem Rasieren.

Habe auch noch ein akzeptables Hemd im Koffer gefunden. Die Kollegen haben sich auch alle rausgeputzt. Zuerst geht es nach Tilingwa, um einen Dorfteich einzuweihen. Klingt komisch, oder? Doch Wasser ist Leben. Dieser Teich wurde von World Vision ausgehoben. Unterhalb des Dammes gibt es Tränken für Vieh und separat einen Wasserhahn für Menschen. Die Kinder stürzen sich auf die Erfrischung.

1.500 Dorfbewohner, 2.200 Rinder und 4.500 Ziegen freuen sich über das neue Wasserreservoir, neben all den Wildtieren. In der Trockenzeit mussten die Frauen und Kinder ca. 6 km zum Keriofluss zurücklegen, um Wasser zu schöpfen, das alles andere als appetitlich ist. Der Teich wird wohl das gesamte Jahr über Wasser liefern, eine Grundvoraussetzung für jede weitere Entwicklung (Hygiene, Gesundheit, Viehzucht, Gemüseanbau, Handel etc.). Die Sonne brennt wie zur Bestätigung auf unsrere Köpfe herab, so dass wir uns lieber nicht allzu lange mit Reden aufhalten.

Einweihung einer vom Projekt gebauten Grundschule in Kolowa

In Kimnyan hat World Vision eine Grundschule mit 4 Klassenräumen, Einrichtung und Wassertanks fertiggestellt. Auch der begeisternde Area Education Officer ist mit von der Partie. In seiner Rede hebt er hervor, dass Kolowa bezogen auf die Einschulungsrate nun an erster Stelle ganzen Distrikt steht. Dazu haben wir auch beitragen dürfen mit Klassenräumen, Toiletten, Schlafräumen, Lehrervorbildung, Schuluniformen und Unterrichtsmaterialien.

Persönlich beeindruckt mich die Gegenwart von drei nahezu blinden, alten Frauen. Sie können zwar fast nichts mehr sehen, doch sie freuen sich, dass die Kinder ihres Dorfes endlich eine feste Schule haben. Eine von ihnen umarmt mich herzlich als ich ihr die Hand gebe, eine wortlose Geste ihres Dankes. Übrigens waren es wieder die Frauen, die am meisten mitgeholfen und Schubkarren gefahren und Wasser geschleppt haben – die Eigenleistung, die jede Dorfgemeinschaft zu erbringen hat. Mit fröhlichen Tänzen werden wir hinausbegleitet und schon geht es zum dritten Termin, dem Höhepunkt des Tages.

In Ngoron konnte ein Tiefbrunnen mit einer Kapazität von 10 m3/h fertiggestellt werden, dazu ein Generatorhaus, Wasserturm, mehrere Kilometer Pipeline und ein weiterer Wassertank und zwei Wasserkiosks. Tief heißt richtig tief: erst bei 120 m stieß man auf Wasser und bohrte dann noch 30 m weiter. Nicht nur das Dorf und die lokalen Führer sind gekommen, sondern sogar die Distriktführung aus dem 40 km entfernten Chemaligot. Nach dem üblichen Ritual ziehen wir zusammen den Vorhang des Schildes zur Seite. Oh Schock, wie peinlich, meinen Namen dort angeschrieben zu sehen, sind es doch die vielen Paten in Deutschland, denen der Dank gebührt. Die Menschen hier danken auch Gott. Denn es ist überhaupt keine Selbstverständlichkeit, dass man hier auf Wasser stößt. Wir nehmen unter den Sträuchern Platz.

Unsere Paten haben den Bau dieser Tiefbrunnen-Anlage ermöglicht, die über mehrere Kilometer Wasser in die Dörfer leitet.

Die Feier beginnt. Tänze zur Einstimmung, danach ca. 10 Ansprachen. Ich komme als Ehrengast als letzter an die Reihe. Eigentlich ist schon alles gesagt. Ich betone, dass es die vielen Paten in Deutschland möglich gemacht haben, diese Anlage zu bauen. Die Menschen scheinen zu verstehen. Sie sind jetzt selbst gefordert das Management und die Instandhaltung zu übernehmen. Ein Wasserkomitee wird einen „Wasserschilling“ für jeden gefüllten Kanister im Wasserkiosk einfordern. Sonst können sie die Anlage nicht unterhalten.

Der Tag war anstrengend aber sehr erfreulich. Die Schule, das Wasserreservoir und der Tiefbrunnen bringen einen deutlichen Fortschritt. Überhaupt sind die Dorfgemeinden, die ich heute gesehen habe, deutlich weiter was Ernährung, Hygiene, Kleidung, Bildung angeht als das erste Dorf, das ich vor einigen Tagen zu sehen bekam. Ich bin schon gespannt auf die Ergebnisse der Evaluierung. Wir essen zusammen mit den Regierungsvertretern. Das Festessen besteht aus Reis, Innereien und Ziegenwirbeln mit etwas Fleisch daran, kein Gemüse. Außerdem gibt es süße Limonaden.

1 Kommentar

  1. Daniela Fortune, 23. Januar 2012

    Gut geschrieben!

Schreiben Sie einen Kommentar


fünf − = 3