Ein staubtrockener Workshop mit fruchtbaren Ergebnissen

Bettina Schilling (links) und ihre Kollegen nehmen gerade in Mali an einem Evaluierungs-Workshop teil

Seit vielen Jahren unterstützt World Vision in regionalen Entwicklungsprogrammen (ADPs) in Mali die dort lebenden Menschen bei ihrem Wunsch, für ihre Kinder und sich eine bessere Zukunft zu schaffen. Damit die Programme erfolgreich sind und immer wieder an veränderte Bedingungen angepasst werden, kontrollieren World Vision Mitarbeiter die erreichten Ergebnisse. In Evaluierungen, so der Fachbegriff, wird festgehalten, welche Konzepte gewirkt haben. Unsere Kollegin Bettina Schilling ist gerade in Mali und arbeitet an solchen Evaluierungen mit. Für sie ist es diesmal eine ganz besondere Reise – denn in Mali herrscht, wie in vielen Regionen Westafrikas, eine verheerende Dürre. Ein echter Belastungstest für Konzepte und Mitarbeiter, wie sie in im ersten Teil ihres Reiseblogs beschreibt:


Bei unserer Ankunft im katholischen Zentrum in San erwarten uns einige Schwestern. Sie tragen blaue Kleider mit Hauben und haben ihren Mund mit einem blauen Mundschutz abgedeckt – alles farblich abgestimmt, passend zum Kleid. Der Mundschutz ist echt nötig! Das Wetter schlägt komische Kapriolen – seit ein paar Tagen weht der Sahara-Sand durch den Ort, der Himmel ist sandfarben, die Sonne überhaupt nicht mehr zu sehen und der Sand bedeckt einfach alles: Tische, Stühle im Konferenzraum, unsere Zimmer und sogar meinen Laptop – ein Kollege hat mir aus Spaß einen Smiley auf den Bildschirm gemalt….Die Luft ist trocken –einfach zu trocken – ich brauch dringend Wasser…
Mali leidet seit Monaten unter der Dürre. Es gab viel zu wenig Regen – viele Bauern haben gar nichts geerntet, manche nur ganz wenig – die Felder sind trocken. Die Menschen brauchen gerade ihre letzten Vorräte auf – die Marktpreise für Sorghum, Hirse oder Reis sind extrem angestiegen. Der Preis für Sorghum hat sich sogar verdreifacht. Viele müssen ihre Kühe, Ziegen oder Hühner verkaufen.
Andere gehen in die Stadt, um dort als Tagelöhner schwere handwerkliche Arbeit zu verrichten, um ihre Familien ernähren zu können. Diejenigen, die Verwandte in der nächsten Stadt haben, bitten diese um Hilfe. Die Krise kommt langsam aber stetig – wenn doch nur die nächste Regenzeit besser ausfallen würde…die World Vision Nothilfe-Planung läuft auf vollen Touren.

Das Wetter aber kann auch World Vision nicht ändern. Wir sitzen mit mehr als 40 Personen im engen Konferenzraum in zwei Reihen hinter nur einem Tisch und husten und niesen ständig. Denn komischerweise ist es auch noch für Mali ungewöhnlich kalt – nur 17 Grad – das hab ich noch nie erlebt. Normalerweise ist es um diese Jahreszeit mindestens 30 Grad warm.

Landwirtschaft und Bewässerung - ein wichtiger Faktor der Projektarbeit

Unser Evaluierungs-Workshop ist wirklich interessant – Berater, ADP Manager sowie andere Mitarbeiter sitzen alle an einem Tisch um 12 Ergebniskontrollen von 12 ADPs zu planen, die schon eine Woche später beginnen sollen – eine echte Mammut-Aufgabe! Wir diskutieren die Evaluierungs-Ziele, erarbeiten die dafür notwendigen Methoden in Gruppenarbeit und diskutieren den Arbeitsplan. Alles muss ganz genau geplant werden, damit es später keine Probleme gibt.

Wir planen eine Haushaltsumfrage mit Fragebogen und Gruppendiskussionen mit den Dorfbewohnern. Wir überlegen welche Tools wir dafür kennen und stellen sie vor, z.B. der „Baum der Veränderung“: die im Dorf zu beobachtenden Veränderungen sollen von den Dorfbewohnern gemalt werden. Sie werden in Gruppen eingeteilt: Mädchen, Jungs, Frauen, Männer, Dorfälteste. Sie identifizieren die drei wichtigsten Veränderungen mit Steinen – jeder bekommt drei Steine und legt sie auf die entsprechende Zeichnung der Veränderung (zum Beispiel Schulbildung, Wasserversorgung, Gesundheit und Ernährung). Dann zählen wir die Steine und haben damit eine Rangfolge für die wichtigsten Veränderungen. Wir schreiben sie auf bunte Papierkarten und hängen sie als Früchte der Entwicklung in einen selbstgemalten Baum der Veränderung.

Dann fragen wir die Bevölkerung nach den Wurzeln der Veränderung – wer hat zur Entwicklung beigetragen? Welche Herausforderungen gibt es noch, fressen zum Beispiel Vögel die Früchte weg? Und welche Visionen haben die Menschen? Das sind die Blüten im Baum, die später neue Früchte hervorbringen sollen. Zuletzt entsteht für jede Gruppe ein eigener Baum der Veränderung. Es kommen heftige Diskussionen auf, die immer wieder durch Gelächter unterbrochen werden – die von den Teilnehmern an den Tag gelegte Leidenschaft an der Sache ist unglaublich!

Am Ende des Workshops teilt sich die Gruppe und jeder fährt in das ADP für das er zuständig ist, um die Schulung der Dorfbewohner und Partner zu beginnen, die mit der Sammlung der Daten beauftragt werden. Jetzt wird es ernst….

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