“Fieber, Angst und Depressionen – wie ich Malaria erlebte”

Marwin Meier, Mitarbeiter von World Vision

Heute (25.04.2012) ist Weltmalariatag. Unser Kollege Marwin Meier beschreibt hier, wie er selber von der Krankheit erwischt wurde und wie es ihm damals in Togo damit erging.

Die Kopfschmerzen, die hinter meinen Schläfen pochten, wurden von meiner völligen Gleichgültigkeit gedämpft. Ich starrte seit 20 Minuten eine weiße Wand an. Manchmal kann die Behandlung schlimmer sein als die Symptome der Krankheit. Ich hatte meine erste Malaria und wie viele Afrikaneulinge hatte ich die schwammigen Grippesymptome, wie Gliederziehen, Kopfschmerzen und eine leichte Übelkeit, ignoriert und war erst zum Arzt gegangen als gar nichts mehr ging. Der Arzt hatte mir – kopfschüttelnd über die Dummheit des Jovo (so nennt man in Togo die Weißen – es heißt ‘neue Seele’) einen Blutstropfen geraubt und mir vorrausschauend empfohlen ein Malariamedikament zu kaufen. Rezeptpflicht gibt es in Togo nicht und so wartete ich neben dem Telefon bis die Nachricht kam, dass ich Malaria Tropica hatte, dann schmiss ich die erste Tablette ein, die mich schon bald in diesen depressiven Stupor schickte, der sich schlimmer als die Malariaübelkeit anfühlte.

Es kickte mich einfach aus den Schuhen

Ich weiß noch, dass ich daran dachte, wie wohl eine solche Krankheit – die einen gesunden Erwachsenen wie mich einfach aus den Schuhen kickte – mit einem kleinen Kind umgeht. Kein Wunder, dass selbst heute noch jede Minute ein Kind an diesem Blutparasiten stirbt. Besonders schlimm ist die eigenen Kinder krank zu sehen. Wir hatten uns als Familie entschlossen mit kleinen Kindern in die Entwicklungszusammenarbeit zu gehen. Das haben wir fast nie bereut, außer als unsere drei- und sechsjährigen Kinder an Malaria erkrankten (trotz Mückengittern, Spray und anfänglicher Malariaprophylaxe) und apathisch in ihren Betten lagen. Und wir hatten als Weiße in der Hauptstadt Zugang zu guter medizinischer Versorgung.

Eine teure Krankheit für arme Länder

Dabei ist Malaria, die mit unter 10 Dollar heilbar ist, eine extrem teure Krankheit für arme Länder. Denn obwohl sie Erwachsene seltener tötet, fordert die Krankheit jedes Jahr Millionen von Arbeitsausfällen: Frauen die nicht aufs Feld können, Männer die für Tage arbeitsunfähig sind und Haushaltsgeld in die – für sie teure – Behandlung stecken müssen. Meine Mitarbeiterinnen kannten eigentlich nur einen Krankheitsgrund: le Pallu – die Malaria.

Dabei hat sich in den letzten Jahren mehr getan. Dank dem chinesischen Beifuß (der Artemisiapflanze) gibt es eine hochwirksame und sanfte Behandlung, aber schon werden aus Südostasien die ersten Resistenzen gemeldet. Wir haben wirksame Mittel zur Malariabekämpfung. In Ländern die diese Mittel konsequent anwenden, konnte die Kindersterblichkeit in wenigen Jahren um phantastische 20% gesenkt werden. Aber dazu brauch es gut ausgebildetes Gesundheitspersonal und der Medikamente und natürlich auch Moskitonetze und Sprays.

Zwei Milliarden US-Dollar fehlen im Kampf gegen Malaria

Der Globale Fonds zur Bekämpfung vom Aids, Tuberkulose und Malaria hat in den letzten zehn Jahren 230 000 Millionen Malariatherapien finanziert und 43 Millionen Hausbehandlungen mit Sprays ermöglicht. Aber jetzt fehlen dem Fonds fast 2 Milliarden USD um die Arbeit vernünftig fortsetzen zu können. Deutschlands bisheriger Finanzierungsanteil von 200 Millionen Euro entspricht gerade mal der Hälfte des fairen Beitrags der Bundesrepublik. Mindestens 400 Millionen sollten angesichts unserer Wirtschaftskraft mindestens sein. Malaria ist für 20% der vermeidbaren 7,6 Millionen Kindertode verantwortlich die letztes Jahr verzeichnet wurden.

Mit einem Mal Malaria war es nicht getan

Meine Kinder, meine Frau und ich haben etwa 10 Tage gelitten, dann war die Krankheit erst einmal überwunden. Mich hat es insgesamt drei Mal erwischt, meine Frau vier Mal und die Kinder jeweils einmal. Wir sind froh über die guten Behandlungsmöglichkeiten, die wir nutzen konnten. Ich möchte, dass jeder Mensch Zugang zu diesen Medikamenten hat.

Heute ist Welt-Malariatag! Aber nicht nur heute fordert World Vision Gesunde Kinder Weltweit Kampagne weltweit die Politiker auf mehr zu tun gegen unnötige Kindertode durch so einfach zu behandelnde oder vermeidbare Killer wie Lungenzündung, Durchfall oder Malaria. Sie können etwas bewirken indem sie auf www.gesunde-kinder-weltweit.de ihren Bundestagsabgeordneten per Email auffordern sich mehr für Kinder in der armen Welt einzusetzen. So können auch sie helfen Malaria endlich zu besiegen.

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