Ringen um UN-Entwicklungsziele: Bittere Bilanz für Frauen und Kinder

MarwinEvent

Natürlich loben in New York bei der UNO-Vollversammlung viele die erreichten Fortschritte bei der Armutsbekämpfung, aber mit der roaroten Brille kommen wir nicht voran damit, die Gesundheit von Frauen und Kindern so zu schützen, wie es im Jahr 2000 versprochen wurde.

Melinda Gates sieht‘s rosig. Ich höre bei einer der vielen Veranstaltungen am Rande der UNO-Vollversammlung den Präsidenten von Tansania, Ghana und Bangladesch, dem Weltbankpräsidenten und eben Melinda Gates zu, die darüber fachsimpeln, wie die Millenniumsziele doch noch erreicht werden können.

Diese acht Entwicklungsziele wurden im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Einige werden bis 2015 erreicht werden. So wird es wahrscheinlich gelingen, die Zahl der Menschen in absoluter Armut zu halbieren und den meisten Kindern Zugang zu Grundschulbildung zu verschaffen. Aber Gesundheit als grundlegendes Kapital jeder wirtschaftlichen Entwicklung wird offenbar unterschätzt. Die Ziele, die die Gesundheit von Kindern und Müttern betreffen, werden leider weit verfehlt werden. So ist heute schon klar, dass die Menschheit es nicht schaffen wird – wie versprochen – die Kindersterblichkeit im Vergleich zu 1990 um zwei Drittel zu senken. Wir sind noch nicht einmal bei der Hälfte. Noch schlechter sieht es bei der Senkung der Müttersterblichkeit aus. Das Ziel, diese sogar um drei Viertel zu verringern, ist das am wenigsten erreichte aller Ziele. Ganz klar – Frauen und Kinder zuletzt.

Warum sieht es dann Frau Gates so rosig? Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? 1990 starben noch 12 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag, 2012 waren es nur noch 6.6 Millionen. Das ist natürlich eine gute Entwicklung! Eine Entwicklung die schon seit ca. 30 Jahren anhält. Trotzdem ist es nicht gelungen, den Trend so zu beschleunigen wie erhofft. Laut UNICEF wird die Zwei-Drittel Senkung beim derzeitigen Trend erst im Jahr 2028 erreicht werden… Sorry, Melinda, darüber kann ich mich leider gar nicht freuen!

Vielen Kleinkindern kann durch Impfungen und schnelle Behandlung von Malaria, Durchfall oder Lungenentzündung das Leben gerettet werden. Für die Mütter und die Neugeborenen brauchen wir jedoch ein funktionierendes Gesundheitssystem und ausgebildete Fachkräfte, die die schwangeren Frauen kompetent begleiten, Problemen wie Malaria während der Schwangerschaft vorbeugen und bei der Geburt dabei sind, um bei Komplikationen schnell handeln zu können.

Nur wenige arme Länder leisten sich solch ein Gesundheitssystem, weil es natürlich viel Geld kostet. Allerdings legte die Präsidentin von Costa Rica, Laura Chinchilla, bei derselben Veranstaltung einleuchtend dar, wie man substantielle Ressourcen für die Entwicklung eines Landes frei machen kann: „Seit über 60 Jahren verzichten wir auf eine Armee und haben so Mittel frei, die wir in wichtige Bereiche der Entwicklung investieren können.”

Wir freuen uns, dass es World Vision im Verbund mit anderen Organisationen gelungen ist, bei der Regierung von Sierra Leone eine Erhöhung des Gesundheitsbudgets durchzusetzen. Die Resultate werden wir aber wohl erst in einigen Jahren sehen. Andere Regierungen müssen gezielter in Gesundheit investieren und, wie wir mit dem Bericht “The Killer Gap” zeigten, Ungerechtigkeiten bei der Versorgung ihrer Bevölkerung abbauen.

Die Hoffnung bleibt – und darum werden wir kämpfen – dass die Gesundheit von Müttern und Kindern im Zielrahmen nach 2015 eine zentrale Rolle spielt, damit die gegebenen Versprechen doch noch eingehalten und auch den ärmsten Menschen zu ihren Grundrechten verholfen werden können.

 

1 Kommentar

  1. Sven Beier, 26. September 2013

    Was soll man hier von der UNO halten? Es wird zu viel dummes Zeug geredet,einfach enttäuend.

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