Georgien: Betreuung für die Kleinsten, Unterstützung für ihre Mütter

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Inmitten grauer Plattenbau-Siedlungen, die ihre gute Zeit schon lange hinter sich haben, ist durch Starthelfer-Spenden eine farbenfrohe Oase für Kleinkinder und ihre allein erziehenden Mütter entstanden. Antje Lüdemann-Dundua hat sie sich während eines Georgien-Besuchs angeschaut.

Die von World Vision Deutschlands Starthelfer-Projekt finanzierte Kinderkrippe, die ich während meines Familien-Urlaubs besuche, liegt in einem der ärmeren und abgelegenen Stadtteile der georgischen Hauptstadt Tbilisi (Tiflis). Ich treffe mich deshalb mit zwei georgischen Kolleginnen am World Vision Büro, und ein Fahrer bringt uns. Wir wollen keine Zeit verlieren, und man nutzt die Autofahrt, um mir das Projekt vorzustellen. Dabei beobachte ich, wie sich das Stadtbild verändert – von den typischen Höfen im italienischen Stil und den platanenbestandenen Alleen, die die Innenstadt prägen, wechselt die Architektur hin zu Plattenbauten-Siedlungen, die vor langer Zeit ihre Blüte gehabt haben müssen. Nach einer halben Stunde bin ich über die Grundzüge des Projekts auf dem Laufenden.

Allein erziehende Mütter haben es in Georgien oft schwer. Sie leben in prekären Verhältnissen, können sich kaum mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Eine staatliche Kinderbetreuung gibt es nicht und Kindergärten nehmen Kinder erst ab dem Alter von drei Jahren auf. Werden sie finanziell nicht vom Vater oder der Familie unterstützt und haben sie auch im Alltag nicht die Unterstützung von Familienmitgliedern, gibt es für die Mütter kaum eine Möglichkeit, ihr Kind tagsüber betreuen zu lassen und selbst arbeiten zu gehen. Einigen bleibt dann nur die Möglichkeit, ihr Kind in ein Heim zu geben, wo es an kindgerechter Förderung fehlt. Die von den Starthelfer-Spenden geförderte Kinderkrippe trägt dazu bei, die Lebensbedingungen dieser Mütter und ihrer Kinder zu verbessern und ihnen so ein Zusammenleben zu ermöglichen. Teil des Projekts sind aber auch Berufs-, Ernährungs- und Gesundheitsberatung für die Mütter, wie auch psychologische Betreuung.

DSC_9454Wir sind da: Inmitten der Plattenbauten also die Kinderkrippe. Genutzt werden einige Räume eines staatlichen Kindergartens in einem zweistöckigen Flachbau, der auch schon einmal bessere Tage gesehen hat. Es blättert der Putz wo man hinschaut, beim Betreten des Gebäudes muss man aufpassen, nicht in eins der vielen Löcher im Boden zu stolpern, alles ist grau. Zwei drei Türen weiter beginnt die Krippe und man betritt eine andere Welt. Hier gibt es plötzlich farbige Vorhänge, die Wände sind bunt angestrichen, Basteleien und Bilder überall, die Fenster sind neu.

Begrüßt werden wir von der Leiterin und einigen Erzieherinnen. Es ist früher Nachmittag und die Kinder machen gerade Mittagsschlaf. Die Erzieherinnen nutzen dies für eine Verschnaufpause und den Schichtwechsel – man macht mich also quasi mit dem gesamten Personal bekannt. Wir schauen einmal in den abgedunkelten Schlafraum und dann zeigt man mir stolz den Aufenthaltsraum mit Tischen, Stühlen, Teppichen und kindgerechten Spiel- und Lernmaterialien, wie ich sie auch aus der Krippe meines Sohnes kenne. Besonderen Wert legt man auch darauf, dass ich mir die Küche anschaue, in der eigens für die Kinder gekocht wird. Der Speiseplan wechselt täglich. Einige Kinderwagen stehen schon für den nächsten Ausflug an die frische Luft bereit.

Die Leiterin erzählt von den täglichen Herausforderungen und mir wird deutlich, wie wichtig es ist, dass nicht nur die Kinder in die Krippe aufgenommen werden, sondern auch die Mütter Unterstützung erfahren, denn nur ihre Stabilisierung kann auch den Kindern langfristig eine Perspektive geben. Im Jahr 2012 hat World Vision so 33 Frauen und ihre Kinder unterstützt. 15 Mütter nahmen gerade an Ausbildungen teil, zum Beispiel als Friseuse oder Schneiderin, 13 von ihnen konnte World Vision daraufhin eine feste Arbeitsstelle vermitteln. Heute sind 29 der 33 Teilnehmerinnen in der Lage, ihre Kinder selbst zu versorgen.

So auch Nino, von der mir erzählt wird. Die 23-Jährige stand nach der Geburt ihres Sohnes ganz allein da. Ihr wurde das Starthelfer-Projekt von World Vision empfohlen. World Vision beriet Nino, vermittelte ihr eine Ausbildung und danach einen Job als Friseurin. Gleichzeitig hat sie gelernt, ihr Kind gesund zu ernähren und Krankheiten vorzubeugen. Ihr Sohn wird in der Krippe betreut. Heute hat Nino eine Wohnung, erzieht ihren Sohn allein und hat neues Selbstbewusstsein geschöpft.

Die Kinder wachen langsam auf und kommen spielen, sind neugierig, welcher Besuch da gekommen ist. Wir machen uns mit einigen von ihnen bekannt, wollen dann aber die Abläufe nicht stören und verabschieden uns. Draußen blinzel‘ ich in die Sonne und denke, dass die Kinder heute sicher noch einen schönen Ausflug machen werden.

 

 

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