Flucht, Hunger, Elend: Der Südsudan blickt in den Abgrund

Bakhita Nyaunya, Mutter zweier Kinder, floh auf dem Nil nach Lul, als die Menschen ihrer Stadt Malakal durch die Kämpfe zwischen Regierungs- und Oppositionsgruppen vertrieben wurden. Ihr Neffe starb, die Familie wurde zerrissen. Bakhitas Mann ist weg - wo, weiß sie nicht. Wahrscheinlich, sagt sie, hat er sich den Kämpfern angeschlossen, so wie viele andere Männer. Ihre Mutter hat es gewagt, zu ihrem Zuhause zurückzukehren. Sie fand alles zerstört und geplündert vor. Ohne ihre Mutter, die jetzt woanders wohnt und vom Sammeln von Feuerholz überlebt, fällt ihr das Leben schwer. Ein zweiter Erwachsener fehlt. "Wer passt auf meine Kinder auf, wenn ich auf die Suche nach Essen gehen muss?", fragt Bakhita. Ihre Tochter Tek-Jwok ist 11 Monate alt, ihr Sohn Gahn Adwok drei Jahre. "Dem Älteren geht es nicht gut", sagt sie. "Jede Nacht hat er Fieber. Ich habe gehört, das Krankenhaus braucht Geld, aber sie bekommen nichts. Die hier (sie zeigt auf Tek-Jwok) hatte eine Lungenentzündung. Sie kam gerade aus dem Krankenhaus, als die Kämpfe begannen. Sie ist noch schwach. Als ich floh, hatte ich 50 Pfund bei mir (ca. 13 Euro). Manchmal bekomme ich Lebensmittelrationen. Doch ich sehe schlimme Tage kommen. Manchmal finden wir nichts zu essen und gehen hungrig zu Bett.  Alles wird immer schlimmer." (Foto: World Vision)

Die Lage in Südsudan wird für hunderttausende Flüchtlinge immer katastrophaler. Diese Fotos aus Flüchtlingscamps sprechen von Hunger, Angst und menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Sie zeigen zugleich, wie World Vision Hilfe organisiert.

Drei Jahre nach der Gründung ihres unabhängigen Staates leben die meisten Südsudanesen aus Angst vor Gewalt außerhalb ihrer Heimatorte und werden in diesem Jahr keine Ernten einbringen können. Über 1,5 Millionen Menschen wurden seit Ausbruch bürgerkriegsähnlicher Kämpfe Ende 2013 vertrieben, 400.000 sind in Nachbarländer geflohen. Rund vier Millionen Menschen sind auf gespendete Nahrungsmittel angewiesen, und geschätzte 250.000 Kinder benötigen in den kommenden Wochen dringend Behandlungen gegen akute Mangel- und Unterernährung.

Hungersnot kündigt sich an

Die Gefahr einer Hungersnot wächst und die Zahl der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, ebenso – aber der Hilfsaufruf der Vereinten Nationen für Südsudan in Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar ist bisher nicht einmal zur Hälfte finanziert.

Appell an die Regierungen: Handeln Sie jetzt!

Daher warnen sieben internationale Hilfsorganisationen – darunter auch World Vision – heute eindringlich vor dem ‚Aus ihrer Hilfsprojekte‘, falls Regierungen und internationale Geber nicht entschlossener gegen die humanitäre Krise vorgehen. World Vision fordert die deutsche Bundesregierung auf, mehr diplomatisches und finanzielles Engagement zu zeigen, damit der Konflikt gelöst und eine humanitäre Katastrophe abgewendet werden kann.

Bitte unterstützen auch Sie die Menschen in Südsudan – zum Beispiel mit einer Spende für unsere humanitären Hilfsmaßnahmen.

Schreiben Sie einen Kommentar


4 + sieben =