Kleines Paradies: 30 Jahre nach der Hungersnot in Antsokia, Äthiopien

11527913.JPG

Vor drei Jahrzehnten gingen schreckliche Bilder aus dem Antsokia-Tal in Äthiopien um die Welt - Bilder von Verhungerten, von zehntausenden vom Hunger gezeichneten Menschen. World Vision kam, um Nothilfe zu leisten. Und wir blieben bis heute, um die Menschen dabei zu unterstützen, aus dem "Tal des Todes" ein Tal des Lebens zu machen. Unsere Projektleiterin Ute Diemer beschreibt, wie aus einem Nothilfeprojekt ein umfassendes Selbsthilfeprogramm wurde, das demnächst endet.

Äthiopien – ein Land der Gegensätze und Extreme

Äthiopien hat eine abwechslungsreiche Topographie und verschiedene klimatische Bedingungen. Von der Savanne in den Tiefebenen über immergrüne Feuchtwälder bis hin zu Gebirgsregionen mit alpinem Klima gibt es zahlreiche konträre Lebensräume. Äthiopien ist der höchstgelegene Staat des afrikanischen Kontinents und wird daher auch oft als ‚Dach Afrikas‘ bezeichnet. Die Hälfte seiner Fläche liegt höher als 1.200 und ein Viertel höher als 1.800 Meter, mit dem höchsten Berg Ras Dashen, der es auf 4550 m bringt. In vielerlei Hinsicht fühlt man sich in dem Land, das zu 80% von der Landwirtschaft lebt, weit in die Vergangenheit zurückversetzt, da die Bauern ihre Felder noch von Hand oder mit dem Ochsenpflug bestellen.

Das Antsokia-Tal in Äthiopien: 30 Jahre nach der verheerenden Hungersnot eine grüne Landschaft (Foto: World Vision)

Das Antsokia-Tal in Äthiopien: 30 Jahre nach der verheerenden Hungersnot eine grüne Landschaft (Foto: World Vision)

Doch zugleich hat sich die äthiopische Regierung in den letzten Jahren ehrgeizige Ziele gesetzt und treibt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes massiv voran. Insbesondere in der Hauptstadt Addis Abeba und den größeren Städten des Landes kann man dieser Tage einen wahren Bauboom beobachten, viele positive Veränderungen werden sichtbar. Zugleich stellen neue Probleme das Land vor große Herausforderungen: Waren noch vor 50 Jahren mehr als 70% der äthiopischen Staatsfläche mit Wald bedeckt, so sind es heute nur noch knapp 3%. Massive Bodenerosion, Versteppung und Überschwemmungen sind die Folge. So zählt Äthiopien noch immer zu einem der ärmsten Länder der Welt. Es ist von Extremen gekennzeichnet.

Das Antsokia-Tal – ein Beispiel für die Entwicklung der Entwicklungszusammenarbeit

Ein Beispiel für Extreme – in diesem Fall für extreme Veränderung und Entwicklung – ist das Antsokia-Tal, rund 350 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Addis Abeba gelegen. War die Gegend noch in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts fast vollständig ausgedorrt – viele nannten Antsokia damals ein Tal des Todes! – hat sich dort mittlerweile eine blühende und fruchtbare Landschaft entwickelt. Diese Veränderung soll hier nachgezeichnet werden, weil sie nicht zuletzt ein gutes Beispiel dafür ist, wie sich die Arbeit von World Vision über die 30 Jahre den Umständen und Verhältnissen graduell angepasst hat.

Hier geht es zu dem Video: Äthiopien – 30 Jahre nach der Hungersnot

World Vision Äthiopien hat dort drei sehr unterschiedliche, aber ineinander übergehende Interventionsphasen durchlaufen: Nothilfe von 1984 bis 1985; Wiederaufbaumaßnahmen von 1986 bis 1989; und daran anschließend langfristige Entwicklungszusammenarbeit durch so genannte Regionalentwicklungsprojekte (ADP – Area Development Programs). In allen Phasen gab es unterschiedliche Ziele und Schwerpunkte, und dementsprechend unterscheidet sich die Wirkung der Interventionen voneinander.

Girma Wondafresh, 1984 als junger Mann von der Hungersnot betroffen, berichtet heute den Kindern von Antsokia von damals und den Veränderungen seitdem (Foto: World Vision)

Girma Wondafresh, 1984 als junger Mann von der Hungersnot betroffen, berichtet heute den Kindern von Antsokia von damals und den Veränderungen seitdem (Foto: World Vision)

Nicht alle Errungenschaften und Effekte der Arbeit von World Vision und anderen Akteuren in der Region wurden über die 30 Jahre hinweg nach heutigen Qualitätsstandards analysiert und dokumentiert. Es fällt daher schwer, Gesamtergebnisse und Wirkungszusammenhänge lückenlos darzulegen. Doch vergleicht man die Situation der 80er Jahre mit dem Leben der Menschen heute vor Ort, vermittelt dies einen guten Eindruck dessen, was die Menschen und lokalen Behörden und Institutionen vor Ort mit Unterstützung von außen erreicht haben.

Wie war die Situation in Antsokia vor 30 Jahren?

Bereits in den 1970er Jahren hatten Dürreperioden in der gesamten Sahelzone und in Äthiopien zu Ernteausfällen und Hungersnöten geführt. Zu Beginn der 1980er Jahre spitzte sich die Lage im nördlichen Hochland Äthiopiens zu. 1984 waren nach einem nahezu vollständigen Ausfall der Ernten fast acht Millionen Menschen in diesen Gebieten von Hunger betroffen, Schätzungen zufolge sollen rund eine Million Menschen verhungert sein. Ausbleibende Regelfälle gelten als Hauptgrund der Katastrophe, es gab aber auch wirtschaftliche und politische Faktoren. Die jahrelang von der sozialistischen Zentralregierung forcierte Form der kollektiven Landwirtschaft hatte zu einer merklichen Ertragsschwäche geführt. Außerdem befand sich das Land in einer politischen Krise: Rebellen im Norden des Landes kämpften um die Abspaltung der Provinz Tigray.

Maurer von World Vision beim Bau eines Wasserauffangbeckens - Teil des Bewässerungssystems im Antsokia-Tal (Foto: World Vision)

Maurer von World Vision beim Bau eines Wasserauffangbeckens – Teil des Bewässerungssystems im Antsokia-Tal (Foto: World Vision)

Die durch den Bürgerkrieg ausgelösten Versorgungsengpässe und die Verzweiflung der Menschen im Norden des Landes nutzte die Regierung, ein politisch motiviertes Umsiedlungsprogramm voranzutreiben. Viele Menschen wurden in südlichere Regionen des Landes zwangsumgesiedelt oder machten sich selbst dorthin auf, immer in der Hoffnung auf Nahrung.

So landeten viele Menschen auch im Antsokiatal, das damals bereits von einer verheerenden Dürre heimgesucht wurde. Ungefähr 36.000 Menschen lebten damals in dem Tal – nun kamen plötzlich Zehntausende hinzu. Die örtliche Verwaltung war dem Andrang der Flüchtlinge in keiner Weise gewachsen. Die Folge war ein nahezu kompletter Zusammenbruch des sozialen Lebens in Antsokia, es gab kaum mehr Zugang zu Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung oder Schulen. Die Menschen konnten sich selbst nicht mehr aus der Lage befreien.

Sehr spät erlaubte die Regierung schließlich ausländische Hilfe, die sie zuvor aus politischen Gründen abgelehnt hatte. Das war der Moment, als World Vision, seit 1975 in Äthiopien tätig, als erste und eine von wenigen Hilfsorganisationen in der Gegend aktiv werden konnte. Die humanitäre Hilfsaktion dauerte von September 1984 bis Mai 1985 an und war von vielen Herausforderungen begleitet. Auf die Regierung konnte World Vision nur in begrenztem Maße zählen. Darüberhinaus erschwerten Kämpfe in Teilen der von der Hungersnot betroffenen Gebiete sowie die spärliche Infrastruktur – es gab keine Verbindungsstraßen in das Tal – die Lieferung von Hilfsgütern und Nahrungsmitteln beträchtlich.

Die Hilfe musste daher aus der Luft organisiert werden, was einen enormen logistischen Aufwand darstellte. World Vision konnte dennoch mehrere Nothilfezentren und eine medizinische Intensivstation errichten. Dort wurden insbesondere Kinder, geschwächte Mütter und alte Menschen versorgt. Die Hunger leidenden Menschen bekamen vor allem mit Haferbrei und gekochtem Weizen, die stark unterernährten Kinder mit Vitaminen, Nährstoffen und Mineralien angereicherte Sondernahrung. Eine Basisgesundheitsversorgung wurde sichergestellt. So wurden durch die Nothilfe von World Vision rund 68.000 Menschen versorgt, und unzählige Menschenleben gerettet.

Von der Soforthilfe über Wiederaufbaumaßnahmen bis hin zur  Entwicklungszusammenarbeit

World Visions humanitäre Hilfe – die erste Phase der Interventionen im Antsokiatal – hatte damit ihren Zweck erfüllt: In einer extremen Notsituation Menschenleben zu retten und eine weitere Ausbreitung der humanitären Katastrophe zu verhindern. Doch dabei blieb es nicht. Die gute Zusammenarbeit, die World Vision während der Nothilfemaßnahmen mit der Regierung des sozialistischen Derg-Regimes aufgebaut hatte, hatte so vertrauensbildend gewirkt, dass unsere Organisation in der Region weiter arbeiten durfte.

Bau der Borkena-Brücke: World Vision unterstützte in Antsokia auch Infrastrukturmaßnahmen, um den Handel zu fördern und damit das Einkommen der Menschen (Foto: World Vision)

Bau der Borkena-Brücke: World Vision unterstützte in Antsokia auch Infrastrukturmaßnahmen, um den Handel zu fördern und damit das Einkommen der Menschen (Foto: World Vision)

So leitete World Vision eine Phase der Rehabilitation ein. Darunter versteht man Maßnahmen, die nicht mehr reine Überlebenshilfe sind, sondern Voraussetzungen für Nachhaltigkeit schaffen und erste strukturelle Wirkung erzielen wollen. In den Jahren von 1986 bis 1989 setzte World Vision daher einige parallel laufende Rehabilitationsprojekte um, mit dem Ziel, die mittelfristige Existenzsicherung der Menschen zu gewährleisten. Dafür wurden Produktionsmittel wie landwirtschaftliche Geräte und Saatgut, aber auch Kleinvieh für die Bauern bereitgestellt, um ihnen einen Neustart nach der Katastrophe zu ermöglichen. In dieser Zeit wurden auch Food-for-Work-Programme von World Vision umgesetzt, bei denen die Menschen in den Projektregionen Hilfsgüter und Nahrungsmittel im Austausch für Arbeit erhielten. Die Arbeit diente vorrangig der Verbesserung der Infrastruktur, und bestand zum Beispiel aus dem Bau von Straßen und Bewässerungsanlagen.

Mit dieser zweiten Interventionsphase wiederum trug World Vision maßgeblich dazu bei, die Grundvoraussetzungen in der Region für die langfristige Entwicklungszusammenarbeit im Antsokiatal zu schaffen. Ziel davon ist eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen, ökonomischen und politischen Lebensbedingungen der Menschen. Das Prinzip der ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ ist das bestimmende Leitmotiv. Im Antsokiatal initiierte World Vision mehrere Regionalentwicklungsprojekte.

Unter Schutzmatten ziehen Bauern Bäume vor, die im ganzen Tal gepflanzt werden (Foto: World Vision)

Unter Schutzmatten ziehen Bauern Bäume vor, die im ganzen Tal gepflanzt werden (Foto: World Vision)

Dieser Übergang wurde auch durch externe Faktoren begünstigt: Nach einem Regierungswechsel im Jahre 1991 (das Derg-Regime wurde von der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker, EPRDF, entmachtet) verbesserten sich die Rahmenbedingungen weiter. Die neue Koalition reformierte die Verwaltungsgliederung Äthiopiens und leitete eine politische Dezentralisierung ein. Dies war der passende Moment für World Vision, auf Regionalentwicklungsprojekte umzusatteln und die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden, Strukturen und Institutionen vor Ort zu intensivieren – wichtige Voraussetzungen für den Erfolg langfristiger Entwicklungszusammenarbeit.
Von World Vision Deutschland unterstützt wurde das Albuko Regionalentwicklungsprojekt ab 1988, sowie darauf folgend (seit 1999) und mit etwas anderer geographischer Ausrichtung das Gemza-Regionalentwicklungsprojekt. Über das noch bis 2016 laufende Gemza ADP in einem Teil Antsokias wollen wir hier etwas ausführlicher berichten, um die verschiedenen Phasen innerhalb des Entwicklungsprojektes aufzuzeigen, einige der aktuellen Evaluierungsergebnisse insbesondere im Gesundheitsbereich zu demonstrieren, und darzustellen, wie diese mithilfe der Erfolge im Bereich der Landwirtschaft, der Einkommenssicherung und durch Schutz der natürlichen Ressourcen erreicht werden konnten.

Regionalentwicklungsprojekt Gemza: 60 Millionen Bäume, steigende Ernten

Seit 1999 hat das Gemza-Projekt drei Umsetzungsphasen durchlaufen. Die gemeinsam mit den lokalen Behörden und der Bevölkerung ausgearbeiteten Mehrjahrespläne wiesen dabei gerade im Bereich der Landwirtschaft und der Einkommenssicherung unterschiedliche Schwerpunkte und programmatische Ansätze auf, die den jeweiligen Entwicklungsstand und die gewachsenen Potenziale im Projekt widerspiegeln.

Reiche Chiliernte: Die hochwertigen landwirtschaftlichen Produkte aus Antsokia sind in vielen Regionen Äthiopiens bekannt (Foto: World Vision)

Reiche Chiliernte: Die hochwertigen landwirtschaftlichen Produkte aus Antsokia sind in vielen Regionen Äthiopiens bekannt (Foto: World Vision)

Zusätzlich zu diesen programmatischen Schwerpunkten hat das Projekt Gemza durch alle Phasen zum Ziel, das biologische Gleichgewicht in der Projektregion wieder herzustellen – als Grundlage für dauerhafte Ernährungssicherung. Es knüpfte damit an die Tradition der früheren World Vision Projekte im Antsokia-Tal an. Umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Ressourcen, zur Bodensanierung sowie zur Wiederaufforstung wurden durchgeführt. Zahllose Terrassen wurden angelegt, um der Bodenerosion Einhalt zu gebieten. Mehrere kilometerlange Gabion-Flutschutzdämme wurden errichtet. Energiesparöfen wurden eingeführt, um der massiven Abholzung entgegenzuwirken. Seit Beginn der World Vision-Interventionen im Antsokiatal wurden 60 Millionen Bäume gepflanzt. Dadurch ist das Tal heute größtenteils grün und es hat sich ein gesundes Mikroklima entwickelt, in dem die Menschen und Pflanzen dazu in der Lage sind, eine erneute Dürre zu überstehen.

All diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass die Bauern im Projektgebiet in der Regel mittlerweile bis zu dreimal im Jahr ernten können. Die Ernteerträge pro Hektar sind kontinuierlich gestiegen. Die Kleinbauern und Kooperativen bauen mittlerweile viele Sorten an, die noch vor zehn Jahren in der Gegend gänzlich unbekannt waren, so zum Beispiel Papaya, Mango, Bananen, Zitrusfrüchte aber auch Tomaten, Zwiebeln, Gewürze und Kaffee – allesamt Sorten mit einem hohen Marktwert. Heutzutage sehen sich die Menschen im Projektgebiet lediglich 0,4 Monate im Jahr mit Nahrungsmittelknappheit konfrontiert und nicht mehr einen ganzen Monat, wie noch 2008.

Gesunde Vielfalt: Obst, Gemüse, Eier und Blumen aus dem Antsokia-Tal (Foto: World Vision)

Gesunde Vielfalt: Obst, Gemüse, Eier und Blumen aus dem Antsokia-Tal (Foto: World Vision)

Bessere Gesundheit für alle – vor allem für die Kleinsten

Die Errungenschaften im Bereich der Ernährungssicherung und der Landwirtschaft haben natürlich auch auf andere Lebensbereiche der Menschen im Gemza-Projektgebiet positive Auswirkungen. So zum Beispiel auf den Gesundheitszustand der Menschen. Denn nicht zuletzt durch ihre verbesserte Einkommenssituation können die Familien in Gemza sich die nötigen Investitionen zur Gesundheitsvorsorge leisten. Sie ernähren sich heutzutage gesünder und vielseitiger, nutzen die verbesserten Angebote an medizinischer Versorgung und Behandlung, und können ihr erweitertes Wissen im Hinblick auf Krankheitsvorbeugung auch in der Praxis umsetzen. Ein Indikator für diese positiven Wirkungen ist zum Beispiel die Rate der Kindersterblichkeit (von Kindern unter 5 Jahren), die von 15% (2008) auf 6% (2012) gesenkt werden konnte. Diese Reduktion ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass im Projektgebiet Gemza heute nur noch 12% der Kinder zwischen 0 und 59 Monate an Durchfallerkrankungen leiden – eine der Haupttodesursachen für Kleinkinder. 2008 lag die Rate noch bei 16,7%. World Vision hat konkret darauf hingewirkt, indem das Projekt sowohl auf Gemeindeebene als auch im häuslichen Umfeld den Bau zahlreicher Latrinen initiiert hat, so dass mittlerweile 98,4% der Bevölkerung Zugang zu einer Latrine haben (2008: 86.5%).

Heute haben die meisten Bewohner einen Gesundheitsposten oder ein Gesundheitszentrum - wie dieses - in ihrer Nähe. World Vision hat das Zentrum mit aufgebaut, regelmäßig fanden dort Fortbildungsangebote zu Themen wie Malaria, Mutter-Kind-Gesundheit, HIV statt (Foto: World Vision)

Heute haben die meisten Bewohner einen Gesundheitsposten oder ein Gesundheitszentrum – wie dieses – in ihrer Nähe. World Vision hat das Zentrum mit aufgebaut, regelmäßig fanden dort Fortbildungsangebote zu Themen wie Malaria, Mutter-Kind-Gesundheit, HIV statt (Foto: World Vision)

Auch der erhöhte Zugang zu sauberem Trinkwasser (von 47% in 2008 auf 71,05% in 2013) hat dazu beigetragen, die gesundheitliche Situation insbesondere der Kleinkinder zu verbessern. Dafür hat World Vision zahlreiche Aufklärungskampagnen durchgeführt, Brunnen gebohrt, sowie 189 Wasserverteilungsstellen, 89 Quelleneinfassungen und acht Wasserreservoirs gebaut. Die Rate der Kinder, die bis zu ihrem 1. Geburtstag komplett geimpft sein sollen (in Äthiopien gesetzlich vorgeschrieben), ist bis 2012 auf 92,9% gestiegen (2008 waren es nur 84,3%). Um dies zu erreichen, hat World Vision die lokale Gesundheitsbehörde dabei unterstützt, intensive Aufklärung zu betreiben sowie umfassende Impfkampagnen logistisch zu unterstützen.

Der Zugang zur Gesundheitsversorgung wurde erhöht, zum Beispiel durch die Errichtung sowie Ausstattung zusätzlicher Gesundheitsposten in unterversorgten Gegenden. Das Resultat ist, dass heutzutage nahezu alle Menschen im Projektgebiet einen Gesundheitsposten in ihrer Reichweite haben. Ein weiterer Indikator für die positive Wirkung der World Vision-Interventionen im Gesundheitsbereich ist die gesunkene HIV-Rate in der Region (von 3,5% im Jahre 2008 auf 1,5% in 2012). Die Rate der Neuinfektionen lag bei nur noch 0,49% in 2012 (2008: 1,1%) – während laut einer Schätzung von UNAIDS die Rate der Neuinfektionen in 2012 auf Landesebene noch bei 1,3% lag. Bei einer Haushaltsbefragung, die World Vision im Jahre 2012 durchgeführt hat, zeigte sich, dass heute 91,2% der Befragten im Gemza-Projektgebiet mehr als einen Übertragungsweg des Virus korrekt benennen konnten (2008: 76,4%) – dies gilt als Grundvoraussetzung dafür, sich vor der Übertragung schützen zu können. Dahinter stehen wichtige Projektaktivitäten wie die stetige Sensibilisierung der Menschen für das Thema HIV-Aids, insbesondere auch für Kinder und Jugendliche.

Für sämtliche Erfolge im Gesundheitsbereich ist hervorzuheben, dass die Regierung insbesondere in den letzten 10 Jahren ihre Bemühungen und Investitionen im Gesundheitsbereich verstärkt hat und somit zu den positiven Veränderungen beigetragen hat: Laut UNICEF hat sie seit 2003 landesweit über 38.000 Gesundheitshelfer ausgebildet und deren Gehälter übernommen, dies gilt auch für Gemza. Das Gemza ADP (Area Development Program) hat davon stark profitiert, und arbeitet eng mit den lokalen Gesundheitshelfern zusammen, die als wichtige Wissensvermittler fungieren und bei Hausbesuchen auch individuelle Beratung und Betreuung gewährleisten.

Es sind diese Gesundheitshelfer und zahlreiche andere lokale Kräfte, Strukturen und Institutionen, die in der seit 2014 laufenden, vierten und letzten Phase des Gemza-Projektes noch einmal vermehrt im Vordergrund stehen. Im September 2016 wird World Vision seine Maßnahmen in der Region einstellen. In dieser letzten Phase der Konsolidierung geht es daher darum, die gegründeten Komitees und Organisationen nochmals intensiv zu schulen und zu trainieren, so dass sie die laufenden Aktivitäten aus eigener Kraft weiterführen können und die Nachhaltigkeit der Interventionen langfristig garantieren können.

Die Autorin, Ute Diemer, ist Projektleiterin und bei World Vision Deutschland u.a. für die Äthiopien-Programme zuständig.

Weitere Informationen zu unserer Arbeit in Äthiopien gibt’s auf unserer Äthiopien-Seite.

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar


+ 1 = zehn