Die Erde verzeiht nicht

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2015 ist ein Schlüsseljahr für die Entwicklungs-und Klimapolitik. Im nächsten Jahr wird sich entscheiden, ob die Weltgemeinschaft in der Lage und willens ist, sich um die großen Probleme auf unserer Erde zu kümmern - und kommende Woche wird in Lima wichtige Vorarbeit dazu geleistet. Die Staatsvertreter müssen ihr Bestes geben.

2015 ist ein Schlüsseljahr für Entscheidungen zur weiteren Entwicklung auf unserem Planeten. Bereits jetzt im Dezember beginnt der Gipfelmarathon mit dem Klimagipfel in Peru. Die Vereinbarungen, die in Lima getroffen werden, stellen wichtige Weichen und sollen dann Ende nächsten Jahres auf dem Klimagipfel in Paris das Kyoto-Protokoll ablösen. Der Schutz des Klimas hängt mit der Bekämpfung von Hunger und Armut eng zusammen und darum ziehen sich die Themen auch durch alle Top-Events im nächsten Jahr. Ende 2015 wissen wir, ob die Weltgemeinschaft in der Lage und willens ist, sich um die großen Probleme auf unserer Erde zu kümmern.

So möchte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Themen Klimawandel und Armutsbekämpfung auf dem G7 Gipfel im Juni in den Vordergrund stellen. Im September wird in New York der Millenniumsgipfel stattfinden, auf der die Staatsführer Rechenschaft ablegen müssen, inwieweit in ihrem Land die im Jahr 2000 vereinbarten Ziele erfüllt wurden.

Schon jetzt zeigt sich, dass bei den Zielen zur Senkung der Kleinkind- und Müttersterblichkeit am wenigsten erreicht wurde. Zwar können heute mehr Kinder ihren fünften Geburtstag feiern als noch vor 15 Jahren. Doch 6,3 Millionen Kleinkinder, die immer noch an leicht zu behandelnden Krankheiten und Unterernährung sterben, sind nach wie vor zu viele. Daher müssen diese auf Grundrechte wie Leben und Gesundheit gerichteten Ziele auch in die Agenda der künftigen Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit aufgenommen werden.

Grenzen werden durchlässig

Insgesamt wird sich auch bei der Ausgestaltung neuer nachhaltiger Entwicklungsziele der sogenannten “Sustainable Development Goals”, zeigen, wie ernst die Politiker es u.a. mit Themen wie Chancengleichheit, Bekämpfung der Armut und dem Schutz unserer Umwelt meinen. Im Gegensatz zu den alten Millienniumsentwicklungszielen gelten die neuen Vereinbarungen für alle Länder weltweit.

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Vor allem die Menschen in Entwicklungsländern treffen die Folgen des Klimawandels (Foto: World Vision)

Denn Grenzen werden immer durchlässiger. Dies gilt besonders für Katastrophen, die durch die Zerstörung unserer Umwelt verursacht werden. Auch die reichen Länder werden unter den Folgen zu leiden haben. Die Industrieländer sind verantwortlich für die Klimakatastrophe. Am meisten leiden aber die Länder, die kaum zum Klimawandel beigetragen haben – die Entwicklungsländer. Schon heute verzeichnen Bauern z.B. in Ost-Afrika alle zwei Jahre wiederkehrende Dürren, auf die sie sich kaum noch vorbereiten können. Früher gab es etwa alle 10 Jahre eine Trockenheit. Dies war den Menschen in den betroffenen Regionen bewusst und sie konnten entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Die Erde verzeiht nicht

Die Erde verzeiht nicht. Wenn wir es nicht schaffen, die Erderwärmung zu begrenzen, wird der Prozess irgendwann nicht mehr zu stoppen sein. Die Uhr tickt und wie Prof. Ottmar Edenhofer vom Potsdamer Klimainstitut auf einer Veranstaltung zur Erstauffüllung des Grünen Klimafonds betonte, befinden wir uns bereits in einem sehr gefährlichen Prozess. Jeder muss sich heute fragen, was kann ich für den Schutz der Umwelt tun? Was für eine Welt möchte ich meinen Kindern und Enkelkindern hinterlassen? Wenn wir nichts tun, wird das Leben auf der Erde sehr gefährlich werden.

Egoismus des Einzelnen und auch von Regierungen ist riskant. Machtgeplänkel, wie es in Bezug auf den CO² Ausstoß zwischen den USA und China zu beobachten war, können wir uns nicht mehr leisten.

Mich ängstigen die Klima-Szenarien – nicht für mich, da ich es voraussichtlich nicht mehr erleben werde, aber für meine Kinder und Enkelkinder. Wenn es in Peru nicht gelingt, ehrgeizige Ziele zu vereinbaren, die auch konsequent umgesetzt und finanziert werden, wird der Klimawandel sich verselbständigen und dazu führen, dass es noch mehr Dürren gibt, mehr Menschen ihr Leben und all ihr Hab und Gut durch Überschwemmungen verlieren, ganze Landstriche – auch in Deutschland – überschwemmt werden oder veröden und ein Leben in einer gesunden Umwelt für die nächste Generation kaum noch möglich ist.

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Wiederaufbau nach Taifun “Haiyan” (2013) auf den Philippinen (Foto: World Vision)

 

Alles hängt mit allem zusammen

Alles hängt mit allem zusammen. Der Klimawandel führt zu einer lebensfeindlichen Umwelt, in der Kinder keine Zukunft mehr haben. Die Menschen sehen sich gezwungen, ihre Heimatländer zu verlassen – schon heute haben wir mehr als 50 Millionen Flüchtlinge weltweit, so viele wie nie zuvor – und wer will es ihnen verdenken, in Länder zu fliehen, in denen noch ein Leben möglich ist. Wer keine Zukunft hat, ist anfälliger für extremistische Botschaften. Auch darum ist es wichtig, den Menschen in ihren Heimatländern zu helfen, dass sie sich selbst ein erfülltes Leben aufbauen können.

Mit einer Stange versucht diese Frau ein Loch zu graben.

Dürre am Horn von Afrika 2011 (Foto: World Vision)

Letztlich fand in Berlin die sogenannte Erstauffüllungskonferenz zum Grünen Klimafonds statt. Insgesamt befinden sich nun 9,3 Milliarden US-Dollar im Topf. Das Geld soll in erster Linie Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt werden, um sie im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels zu unterstützen. Auch sollen sie nicht die gleichen Fehler machen wie die Industrieländer.

Wald spendet Leben

Auch wir als Hilfsorganisation sind gefordert. Wir arbeiten mit den Menschen in den ärmsten Ländern zusammen und sehen, wie verzweifelt ihr Kampf ums Überleben oft ist. Darum haben wir in unsere langfristige Projektarbeit inzwischen viele Maßnahmen eingebaut, um die Menschen vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Gleichzeit können wir mit vielen Aktivitäten Hunger und Armut bekämpfen und so Kindern eine gute Zukunft ermöglichen. In etwa 15 Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas arbeitet World Vision beispielsweise eng mit der Bevölkerung zusammen, um mittels der innovativen Wiederbewaldungsmethode FMNR (farmer managed natural regeneration) neuen Wald entstehen zu lassen. In Südäthiopien konnte so auf fast 3000 Hektar völlig verdorrtem Land wieder ein neuer Wald wachsen.

Leben in ruhenden Wurzeln wieder erwecken: Die Waldfeldbaumethode FMNR (Foto: World Vision)

Leben in ruhenden Wurzeln wieder erwecken: Die Waldfeldbaumethode FMNR (Foto: World Vision)

An dem Beispiel zeigt sich, wie wichtig Wald für das Leben auf der Erde ist. Pflanzen wandeln nicht nur CO² in Sauerstoff um und sind so verantwortlich für die Luft, die wir zum atmen brauchen. Sie produzieren auch Futter für Nutztiere, Beeren und viele andere Pflanzen, die als gesunde und vitaminreiche Nahrung für die Kinder in der Region dienen können und so auch verhindern dass Kinder mangel- und unterernährt sind. Wald ist außerdem Lebensraum für viele Tiere und liefert den Menschen Brennholz. Er verändert das Klima zum Positiven, schützt vor Wind und Staub und trägt durch viele Maßnahmen zu verbesserten Lebensbedingungen der Menschen bei. World Vision zeigt Bauern, wie sie ihre Äcker besser bewirtschaften können, z.B. durch konservierende Landwirtschaft oder die Aussaat von dürre-resistenten Pflanzen, verteilt energie-effiziente Öfen und Solarzellen.

Eine gesunde und saubere Umwelt ist ein Menschenrecht und wir brauchen die Erde, um zu überleben. Sie braucht uns Menschen eigentlich nicht, aber alles Leben auf der Erde ist uns anvertraut und von menschlicher Kultur in den letzten 100 Jahren entscheidend verändert worden. Wir sind am Zug.

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