Emma Schweiger stellt Kinderrechte-Film in Berlin vor – Deutschland ist bei Mitbestimmung, Chancengleichheit und Erziehung ohne Gewalt noch kein Weltmeister

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In den kommenden Tagen werden deutsche Politiker noch viel zu Rechten von und großen Taten für Kinder sprechen, weil die UN-Kinderrechtskonvention in diesem Monat 25 Jahre alt wird. Doch wir möchten, dass die Mädchen und Jungen, um die es geht, zuerst Gehör finden. Das Kindernachrichten-Portal “WoVi-Reporter” hat dafür in den letzten Wochen und Monaten ein Forum geschaffen.  Nun ist der Film dazu fertig!

Auf alle Kinder und Jugendlichen, die sich dort beteiligt haben, sind wir sehr stolz. Ihre Beiträge sind berührend, aber auch klar in Bezug auf ihre Vorstellungen, was wir für Kinder  tun sollten, damit es ihnen gut. Sie fordern nicht für sich selbst mehr Mitbestimmung, ein Leben in einer liebevollen Familie, ein Leben ohne Krieg und Gewalt sowie gleich Bildungschancen für alle Kinder.

In der 12jährigen Emma Schweiger haben unsere „WoVI-Reporter” eine souveräne und gut zuhörende Botschafterin. Die Jungschauspielerin und jüngste Tochter von Til und Dana Schweiger stellte heute in Berlin der Öffentlichkeit den Film vor.

Die Filmpräsentation war Teil einer Veranstaltung der National Coalition Deutschland, eines Netzwerks von 110 Organisationen, die ihre Arbeit an der Kinderrechtskonvention ausrichten und sich für die Verwirklichung der Kinderrechte in Deutschland und weltweit einsetzen.

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Genauso selbstbewusst und entschieden, wie Emma in „Kokowäh“ ihrem Vater die Meinung gegeigt hat, antwortete sie auch auf die Frage, was ihr in Bezug auf die Kinderrechte auf dem Herzen liegt: „Alles an den Kinderrechten ist wichtig, und das ist vielen Menschen leider nicht klar. Kinder müssen mehr gehört werden, vor allem in der Schule von den Lehrern und nach der Schule von den Eltern. Das finde ich sehr wichtig, denn sonst können sie sich nicht helfen und wissen nicht zu wem sie gehen können, wenn es ein ernstes Problem gibt. Am meisten beschäftigt mich aber, dass viele Kinder sich schon in jungem Alter mit Krieg und Gewalt auseinandersetzen müssen. Kein Kind sollte Angst vor Schlägen von den eigenen Eltern oder vor wütenden Lehrern haben müssen – auch in Deutschland. Jedem sollte doch klar sein, dass es Kindern nicht gut geht und sie auch nicht lernen können, wenn sie bedroht werden.”

Kein Drehbuch hat ihr diese Aussagen vorgegeben, sondern Emma hat sich Gedanken zu aktuellen Nachrichten und zu einem kürzlich gelesenen Buch über ein misshandeltes Kind gemacht, natürlich auch ihre eigenen Erlebnisse in der Großstadt Hamburg reflektiert.  Sie hat Beispiele und Bilder im Kopf. Das merkt man im Gespräch sofort.

Vor 25 Jahren wurden Teenager wie sie in Deutschland kaum dazu befragt, ob sie – im Sinne der Kinderrechtskonvention – als eigenständige Subjekte wahrgenommen und ernst genommen werden, ob ihre Interessen vorrangig berücksichtigt werden und wie sie die eigene Lebenssituation beurteilen. „Heute aber können wir auf zahlreiche Forschungsarbeiten zurückgreifen, die genau dieser Fragestellung nachgegangen sind“, erklärte Claudia Kittel, die Sprecherin der National Coalition Deutschland, einführend zu dem fachlich-faktischen Input, den das Netzwerk zum Jubiläum liefern wollte.

Anhand von 7 Infografiken stellten Vertreter einiger Kinderhilfswerke die wichtigsten Erkenntnisse solcher Studien zu den Themen Mitbestimmung, Kinderarmut, Bildung, Leistungsdruck, Gewalt, Flucht und Bundeswehr-Werbung vor.  Hier wurde deutlich, dass es nicht ausreicht, Gesetze an die Kinderrechtskonvention anzupassen, auch wenn dadurch in den letzten 25 Jahren schon viele Verbesserungen erreicht wurden.  Für Flüchtlinge gibt es beispielsweise nicht einmal einheitliche Standards für die Unterbringungen – erst recht also keine allgemeinen Standards für eine kindgerechte Betreuung und Integration. Viele Menschen und Institutionen müssen ihre Kräfte bündeln, um auf diese Probleme einzugehen, denn der Staat allein ist damit überfordert.

Ähnliches gilt für die Verwirklichung von Chancengleichheit vor dem Hintergrund real existierender Kinderarmut. 16-20 Prozent aller Kinder in Deutschland können als arm bezeichnet werden und berichten in den Studien davon, dass sie die Folgen in ihrem Alltag spüren. Wie Esther Rueden von World Vision erläuterte, beeinflusst die sozioökonomische Herkunft auch das Vertrauen der Kinder in ihre eigenen Fähigkeiten und damit in ihre Zukunftschancen. Wenn dieser Zusammenhang nicht durchbrochen werde, verewigen sich Armutsbiografien, betonte Luise Pfütze von SOS-Kinderdorf.

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Mit ihren Möglichkeiten zur Mitbestimmung sind die meisten Kinder in Deutschland noch nicht zufrieden, aber immerhin zufriedener als noch vor ein paar Jahren.  Besonders in Schulen und Betreuungseinrichtungen fühlt sich die Mehrheit der Kinder nicht ausreichend an Entscheidungen beteiligt.  Eltern haben offenbar stärker dazugelernt, verraten die Statistiken. Besorgniserregend entwickelt sich dagegen der Trend bei psychischen Auffäligkeiten im Zusammenhang mit Leistungs- und Anpassungsdruck: 22 Prozent der Kinder in Deutschland, also mehr als jedes 5. Kind, sind davon inzwischen betroffen.

Den Film sehen Sie auf www.wovi-reporter.de

Weitere Informationen zu der Veranstaltung und den Kinderrechten in Deutschland finden Sie auf:  www.netzwerk-kinderrechte.de

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