Erfahrungsbericht aus dem Projekt „Tekove“ in Camiri, Bolivien

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von Marc Krüger, April 2015, Leonberg

Im Herbst 2014 beschlossen meine aus Bolivien stammende Frau Teresa und ich, dass wir im Rahmen eines Familienbesuchs, vor Ort, unser bolivianisches World Vision-Patenkind Enrique und seine Familie kennenlernen wollten. Bald darauf setzten wir uns mit World Vision in Deutschland in Kontakt um unser Anliegen auf den Weg zu bringen. Nach kurzer Zeit setzte sich ein Mitarbeiter mit uns in Verbindung, um uns über die Modalitäten und Bedingungen eines solchen Besuchs aufzuklären. So einfach wie gedacht war das anfangs gar nicht, denn World Vision legt großen Wert auf den Schutz der Kinder und einer verbindlichen Anmeldung. Völlig zu Recht, wie wir denken! Nach dem Ausfüllen verschiedener Anmeldeformulare und dem Einreichen unserer Führungszeugnisse wurde uns ein verbindlicher Termin für den Besuch im Projekt übermittelt. Ein aufregender Moment!

Wir flogen im Dezember zu unseren Verwandten in Cochabamba. Nach einer zweitätigen Anreise im Auto quer durch Bolivien, erreichten wir am 19. Dezember das World Vision-Projekt Tekove, das sich im Hügelland in der Nähe der Kleinstadt Camiri, am Fuße der Anden befindet. Das Wort „Tekove“ bedeutet in der Sprache des indigenen Volkes der Guarani “Leben”. Ein Team der Projektmitarbeiter holte uns in Camiri ab, wo wir gemeinsam einige Lebensmittelvorräte als Geschenk für Enriques Familie einkauften. Die 12 Mitarbeiter dort machen aus unserer Sicht einen unglaublichen Job: Seit 1999 arbeiten Sie daran etwa 8.000 Menschen in mehr als 20 Dörfern dazu in die Lage zu versetzen, sich selbst zu versorgen und für ihre Rechte einzutreten. Carlos der Projektleiter und seine Mitarbeiter erteilten uns bereitwillig Auskunft über die tägliche Arbeit in „Tekove“: Schwerpunkte sind neben schulischer Bildung, der Aufbau von grundlegender Infrastruktur, wie zum Beispiel die Versorgung mit Trinkwasser und die landwirtschaftliche Ausbildung der Familien.

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Nach etwa einer Stunde Fahrt im Geländewagen, war es dann so weit: Enrique, seine Eltern und einige seiner Geschwister standen vor uns. Ich denke, dass im ersten Moment alle Beteiligten einen gehörigen Kloß im Hals hatten! In diesem Projekt sind Patenbesuche eher selten und wegen der Armut vor Ort bestehen für die Einheimischen nur wenige Gelegenheiten ihre Dörfer zu verlassen. Wir tauschten im kleinen, traditionellen Gehöft der Familie, gegenseitig Geschenke aus. Im Vorfeld hatten wir für Enrique, der im jungen Teenager Alter ist, „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry und ein Grammatikbuch gekauft. Sein Traum ist es, Lehrer in seinem Heimatdorf zu werden – wir hoffen ein kleines bisschen dazu beigetragen zu haben, dass er in Erfüllung gehen kann. Seine Eltern überreichten uns zwei wunderschöne, in aufwändiger Handarbeit hergestellte Stofftaschen. Nach einigen Minuten wurde die Stimmung etwas lockerer und wir kamen auf Spanisch miteinander ins Gespräch.

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Es folgte eine längere Auto-Tour durch das Projektgebiet. Wir lernten vieles über das Leben, Leiden und Lernen im Projektgebiet. Wir besuchten verschiedene Familien und Einrichtungen – Enrique begleitete uns die ganze Zeit über. Wir spürten, dass es auch für ihn eine besondere Erfahrung war. Aus unserer Sicht war es doch etwas erschütternd wie karg die Landschaft vor Ort ist und wie hart der Alltag der Menschen dort nach fünfzehn Jahren Aufbauarbeit immer noch ist! Allerdings gibt es auch zahlreiche Anzeichen dafür, dass die Entwicklung dort eine Wende zum Besseren genommen hat.

Für den Nachmittag hatte das World Vision Team ein Spanferkel geschlachtet und gegrillt. Ein gemeinsames Essen mit den Mitarbeitern, Enrique und seiner Familie bildete den Abschluss und auch eine Art Höhepunkt unseres Besuchs. Wir führten wertvolle Gespräche und erfuhren mehr über das Leben der Menschen in Tekove. Nach einem erschöpfenden, emotional beeindruckenden und sehr lehrreichen Tag wurden wir zurück nach Camiri in unser Hotel gebracht. Wir hoffen, dass wenn das Projekt 2017 formal endet, die Welt ein kleines, aber dauerhaftes bisschen besser geworden ist. Enrique wünschen wir von Herzen, dass er seine Träume und Ziele verwirklichen können wird!

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Falls Sie auch Pate / Patin werden möchten:

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft.php

Was eine Kinderpatenschaft ausmacht:

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft-was-eine-kinder-patenschaft-ausmacht.php

 

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