Ihre Hilfe wirkt: In Ngoyila sind Kinder jetzt gesünder

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Gut ausgebildete Gesundheitshelfer, informierte Bewohner: Mit dem Regionalentwicklungsprogramm Ngoyila stärkt World Vision das Gesundheitssystem in Sierra Leone. Verbesserte Strukturen wappnen die Menschen nicht nur gegen Ebola - hier tragen sie auch dazu bei, die Kindersterblichkeit zu senken. Doch es gibt auch Herausforderungen.

Im März 2014 nahm ich an der  Evaluation, also der fachlichen Zwischenbewertung, des Projekts Ngoyila teil. Bereits 2009 war ich dort gewesen – damals legten wir gemeinsam mit Partnern und Vertretern der Zielgruppen die Ziele und Projektaktivitäten fest.

Ziel des Gesundheit-Projektes ist es, dass langfristig in der Region möglichst keine Kinder mehr an vermeidbaren Todesursachen sterben. In diesem abgelegenen Gebiet waren in den letzten Jahren keine anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen als World Vision tätig. Dementsprechend hatte nach den Jahren des Bürgerkrieges zunächst die Gesundheitsversorgung für die Menschen die größte Priorität.

World Vision-Mitarbeiter im Gespräch mit Dorfbewohnerinnen: Eine bessere Gesundheitsversorgung wünschten sich hier viele (Foto: World Vision)

World Vision-Mitarbeiter im Gespräch mit Dorfbewohnerinnen: Eine bessere Gesundheitsversorgung wünschten sich hier viele (Foto: World Vision)

Mein Besuch fand kurz vor den ersten Ebola-Erkrankungsfällen im Osten des Landes statt. Um Ebola-Ausbrüche einzudämmen, sind gut funktionierende Gesundheitsstrukturen von zentraler Bedeutung. Wäre das Gesundheitssystem stärker, hätte sich Ebola nicht auf diese verheerende Weise ausbreiten können.

Doch Veränderungen brauchen Zeit. Viele Akteure müssen an einem Strang ziehen, viele kleine Schritte und gemeinsame Anstrengungen sind notwendig. In Ngoyila geht es darum, nach und nach die Gesundheitsstrukturen in dieser ländlichen, schlecht versorgten Gegend aufzubauen.

Strukturen werden fit gemacht

Die Maßnahmen, die hier in den vergangenen fünf Jahren umgesetzt wurden, sind von World Vision vorgeschlagen und mit den Behörden und Menschen vor Ort in die Tat umgesetzt worden:

Gesundheitsstationen: World Vision-Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren sieben Gesundheitsstationen in Kooperation mit  der lokalen Regierung renoviert und mit medizinischen Materialien und Möbeln ausgestattet. Kühlsysteme für Medikamente wurden installiert, Mitarbeiter geschult.

In den Gesundheitsstationen findet die gesundheitliche Grundversorgung und Notbehandlung statt - hier wird in Baoma Kpenge ein Baby geimpft (Foto: World Vision)

In den Gesundheitsstationen findet die gesundheitliche Grundversorgung und Notbehandlung statt – hier wird in Baoma Kpenge ein Baby geimpft (Foto: World Vision)

 

Trainings: Freiwillige Gesundheitshelfer, die in abgelegenen Dörfern arbeiten, erhielten Trainings – und waren danach in der Lage, die Menschen über Gesundheitsthemen aufzuklären.

Brunnen und Wasserkomitees: In der Projektregion ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser schwierig. Gerade Kleinkinder sind deshalb oft von  schweren, oft lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen betroffen. Hier wurden bislang 13 Brunnen in Stand gesetzt und gebaut. Wasserkomitees wurden ausgebildet, die sich selbständig um Erhalt und Wartung der Brunnen kümmern sollen.

Aus mehr als einem Dutzend Brunnen sprudelt jetzt sauberes Wasser in Ngoyla (Foto: World Vision)

Aus mehr als einem Dutzend Brunnen sprudelt jetzt sauberes Wasser in Ngoyila (Foto: World Vision)

Informationskampagnen und Veranstaltungen: Mitarbeiter des staatlichen Gesundheitsdienstes haben, unterstützt von World Vision, die Bevölkerung über die Bedeutung des ausschließlichen Stillens während der ersten sechs  Monate nach der Geburt sowie andere Gesundheitsthemen wie Schwangerschaftsvorsorge und Neugeborenen-Fürsorge aufgeklärt.

Kindergesundheit wächst – Wirkung in Zahlen

Schon fünf Jahre zuvor hat mich die Begeisterung und Teilnahme der Bevölkerung an den ersten Planungstreffen beeindruckt. Sie sind es, die in Zukunft für ihre Rechte eintreten und die Entwicklung ihrer Heimat in die eigene Hand nehmen sollen – und deshalb ging es in Ngoyila von Anfang an darum, sie nicht nur an Entscheidungen, Planungen und deren Umsetzung zu beteiligen, sondern auch in die Datenerhebung und -Auswertung einzubinden. Von der Bevölkerung benannte Repräsentanten ließen sich in Erhebungsmethoden schulen und waren dadurch in der Lage, die Entwicklung ihrer Region selbst beurteilen zu können.

Meine Kollegin Kerstin Koch und ich mitten im Erhebungsteam von Ngoyla (Foto: World Vision)

Teamwork mit Freude: Meine Kollegin Kerstin Koch und ich mitten im Erhebungsteam von Ngoyila (Foto: World Vision)

Und das sind einige der Zahlen, die sie miterhoben haben. Gegenüber der 2009 erhobenen Ausgangssituation hat sich die Situation deutlich verbessert:

Heute suchen 76,9 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren eine Gesundheitsstation auf, wenn sie krank sind (2009 waren es 60,8 Prozent). Eltern geben an, dass 89,4 Prozent der Kinder unter fünf Jahren bei Beschwerden den Rat von ausgebildeten Gesundheitshelfern suchen (2009 begaben sich lediglich 77 Prozent in Behandlung).

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Deutlicher Anstieg: Prozent der Kinder unter 5 Jahren in Ngoyla, die im Krankheitsfall eine Gesundheitsstation aufsuchen – 2009 und 2014 im Vergleich

Diese erfreulichen Zahlen haben die Statistiken der Gesundheitsstationen bestätigt. Allerdings ist diese Entwicklung wohl nicht alleine auf die Aufklärungsarbeit des Projektes zurückzuführen. Seit 2010 ist die Behandlung von Müttern und Kindern unter fünf Jahren in Sierra Leone kostenlos – das erleichtert gerade bedürftigen Familien den Gang zur Gesundheitsstation.

Besuche in den Zentren, Diskussionen mit Personal und Müttern haben aber den Eindruck gestärkt, dass sich nicht nur der Zugang, sondern auch die Qualität des Gesundheitsservices in den insgesamt 10 Gesundheitsstationen verbessert. In Befragungen heben die Bewohner die positive Rolle der freiwilligen Gesundheitshelfer und -helferinnen hervor: 97 Prozent der Frauen geben an, zu den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft zu gehen, 55,4 Prozent, ihr Kind in einer Gesundheitsstation zur Welt gebracht zu haben. Die Datenerhebung zeigte auf, dass 75,4 Prozent der Familien ihr erworbenes Gesundheitswissen anwendeten, indem seit rund zwei Jahren Durchfallerkrankungen ihrer Kinder selbst behandeln können.

In Mütterclubs wie diesem informieren sich Mütter gegenseitig über gute und ausgewogene Ernährung für Kinder - um Mangel- und Unterernährung auszuschließen (Foto: World Vision)

In Mütterclubs wie diesem informieren sich Mütter gegenseitig über gute und ausgewogene Ernährung für Kinder – um Mangel- und Unterernährung auszuschließen (Foto: World Vision)

Routineüberprüfungen der letzten zwei Jahre zeigten, dass Fälle von Unterernährung einigen Gemeinden eine Ausnahme sind. Dies bestätigten auch Mitarbeiter der Gesundheitsposten. Allerdings ist zu befürchten, dass die Rate der unterernährten Kinder in entlegenen Gegenden höher liegen dürfte. Auch die Rate der Frauen, die ihre Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich Stillen, ist mit 68 Prozent noch immer im kritischen Bereich.

Personalmangel und Trinkwasser als Herausforderungen

Trotz der vielen positiven Entwicklungen klagen die Mitarbeiter und auch die Bevölkerung über zu wenig Personal in den Gesundheitsstationen. Es ist schwierig, für diese entlegenen Gegenden geschulte Gesundheitshelfer zu finden – wer gut ausgebildet ist, verlässt das Land in Richtung Stadt. Auch würden die eigentlich von der Regierung gestellten Medikamente nicht regelmäßig geliefert.

Wartende Mütter und Kinder in der Gesundheitsstation von Baoma Kpenge U(Foto: World Vision)

Wartende Mütter und Kinder in der Gesundheitsstation von Baomé Kpenge (Foto: World Vision)

Hier ist es zukünftig wichtig, die lokale und nationale „Anwaltschaftsarbeit“ zu stärken: Die Bewohner werden durch World Vision-Mitarbeiter über ihre Rechte aufgeklärt und bekommen Wege aufgezeigt, wie sie zum Beispiel bei Politik und Verwaltung auf Missstände aufmerksam machen und Verbesserungen durchsetzen können.

In Kids Clubs werden auch die Kinder in die Programmentwicklung einbezogen - ihre Meinung wird ernst genommen (Foto: World Vision)

In Kids Clubs werden auch die Kinder in die Programmentwicklung einbezogen – ihre Meinung wird ernst genommen (Foto: World Vision)

Vor allem die Trinkwasserversorgung bietet weiter Anlass zur Sorge. Lediglich 30 Prozent der Haushalte nutzen sauberes Trinkwasser. Die Brunnen wurden vorwiegend an Schulen und Gesundheitsstationen gebaut oder in Stand gesetzt. Gespräche mit der Bevölkerung zeigen, dass die Wartung der Brunnen durch die Komitees noch nicht nachhaltig gewährleistet ist.

Schlussfolgerungen werden jetzt umgesetzt

Am Ende meines Besuches war ich – wie fünf Jahre zuvor – von dem Engagement der Bewohner bewegt. Trotz der Fortschritte wären die Gesundheitsstationen im März 2014 auf die damals noch unbekannte Bedrohung Ebola nicht vorbereitet gewesen. Zum Glück  war Ngoyila von der Epidemie relativ wenig betroffen. Wie an anderen Orten im Land, so wurden auch in Ngoyila Versammlungen wegen der Ansteckungsgefahr verboten. Unsere Trainings und Workshops konnten nicht stattfinden. Inzwischen ist diese Vorsichtsmaßnahme wieder aufgehoben, und es finden  Planungstreffen aller Akteure statt. Nun können die Schlussfolgerungen der Evaluation berücksichtigt werden, um das Regionalentwicklungsprogramm für die Bevölkerung nachhaltig und effektiv zu gestalten.

Patenkinder im Projekt Ngoyla: Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, die Region nachhaltig zu verändern (Foto: World Vision)

Patenkinder im Projekt Ngoyila: Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, die Region nachhaltig zu verändern (Foto: World Vision)

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