Südsudan hat wenig zu feiern und braucht viel Geduld

WV programs in the vicinity of Kaejok, Warrup State, South Sudan.

Die Schilder wurden entfernt, die Straßensperren abgebaut, alle Flaggen zusammengefaltet und die Soldaten sind von den Straßen verschwunden. Zwei Tage nach den Feiern zum 4. Jahrestag der Unabhängigkeit Südsudans ist die Stimmung in der Hauptstadt Juba gedrückt. Die Spannung, die Tage vorher auf den Straßen  in der Luft lag, ist zwar verschwunden  und man will kaum glauben, dass in diesem Land ein Krieg tobt. Doch wen man auch fragt ,– Südsudanesen, humanitäre Helfer, Geschäftsleute – alle beantworten die Frage nach den Veränderungen gleich: für alle sind die Dinge schlechter geworden, nur für eine kleine Elite ncht.

Der Konflikt hat sich auf neue Gebiete ausdehnt, mehr Leben gefordert, mehr Leid verursacht und mehr Menschen in die Flucht getrieben. Sogar dort, wo der Konflikt abgeflaut sind, hat die Inflation das Leben für die Südsudanesen schwieriger gemacht.  In einem Land, das trotz seines großen Landwirtschaftspotentials Lebensmittel einführt und für fast alles auf Importe angewiesen ist, leeren sich in den Geschäften langsam die Regale. Die Preise für Alltagsgüter und besonders für Lebensmitteln haben sich verdoppelt und in manchen Fällen verdreifach.

Die Arbeit von Hilfsorganisationen könnte kaum schwieriger sein als im Moment. Die ausufernden Kämpfe schränkt unsere Einsatzmöglichkeiten auf kleinere Gebiete ein. Gleichzeitig sind die den Kämpfen ausweichenden  die Bewohner sich auf größere Gebiete verstreut, und die, die sich früher selbst versorgen konnten, sind jetzt auf Hilfe angewiesen. Doch das Problem ist, dass wir viele von ihnen entweder nicht erreichen können oder nicht wissen wo sie sind. Wir haben uns zum Beispiel um mindestens 33.000 Menschen in der Stadt Melut und im Umland gekümmert. Im Mai flohen sie aus der Stadt und nun müssen wir sie suchen und herausfinden was sie brauchen.

Die Regenzeit, die ungefähr vor einem Monat eingesetzt hat, ist normalerweise hinderlich und hilfreich zugleich. Sie macht einerseits Transportwege unpassierbar, bringt aber auch eine Kampfpause oder zumindest Reduktion der Kämpfe mit sich. Dieses Jahr ist es anders. Als es zu regnen begann, nahm das Kämpfen noch zu. Niemand konnte dies vorhersagen.

World Vision arbeitet jedoch seit 1985 im Südsudan und  will den Menschen Entwicklung ermöglichen.  In Regionen, in denen es einigermaßen ruhig ist, helfen wir den Menschen jetzt bereits, ihre Ernährungsgrundlage zu verbessern und unterstützen auch die Bildung von Kindern. In anderen, vom Konflikt stärker betroffenen Regionen tun wir unser Bestes, um das Leiden der Zivilbevölkerung zu vermindern.

Unser Glaube kann uns und auch der mehrheitlich christlichen Bevölkerung im Südsudan die Inspiration geben, an der Hoffnung festzuhalten und geduldig zu bleiben, uns natürlich auch für Frieden einzusetzen. Herzlichen Dank auch Ihnen allen, die uns dabei unterstützen!

Hier können Sie online spenden für unsere Hilfsprojekte im Südsudan.

 Melany Markham ist Kommunikationsbeauftragte bei World Vision Südsudan.

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