Weltfriedenstag: Mit 12 schon der Mann im Haus

Frieden_Syrien_Adel

Die Bekaa-Ebene im Libanon ist bekannt für ihre kulturellen Schätze. Jahrtausende alte Tempel, Säulen, Steine, deren Inschriften von vergangenen Kulturen zeugen. Nicht viele Einheimische lebten hier, bis zum Ausbruch des Syrien-Krieges waren es meist Touristen, die die Gegend temporär bevölkerten. Das Bild hat sich gewandelt, berichtet unsere Kollegin Rachel Smalley:

In den vergangenen Jahren tauchten immer mehr behelfsmäßig errichtete Zelte und Hütten zwischen den Ruinen auf. Flüchtlinge aus Syrien suchen hier Schutz.

Einen von ihnen lerne ich zufällig kennen, als ich zwischen den Zelten entlanglaufe. Er lächelt mich mit seinen strahlend weißen Zähnen an, dichtes braunes Haar fällt über seine Mandelaugen.

„Hallo, ich bin Adel“, sagt der Junge, „herzlich willkommen!“

Wir unterhalten uns und er fragt,  ob ich seine Familie kennenlernen möchte. Ich will. Er führt mich zu einem Zelt am Rand der provisorischen Siedlung.  Ich schiebe den Plastiksack zur Seite, der als Eingangstür dient. Auch die Seitenteile sind aus Plastik und so wie das Foliendach an einen dünnen Holzrahmen genagelt.

Ein Haus aus Plastik

Ein abgewetztes Stück Teppich liegt in der Mitte des Zimmers. Um ihn herum sitzen Adels Mutter und seine fünf jüngeren Geschwister. Adel zeigt mir mit Gesten, dass ich mich dazu setzen soll. Er stellt mich seiner Mutter Wasfa vor. Ich frage, wo denn ihr Ehemann sei?

„Er ist tot. Er starb bei der Bombardierung eines Gemüsemarktes in unserer Heimatstadt Deir Al-Zor, den er gerade besuchte.  Unser Haus stand ganz in der Nähe und wir rannten alle zum Markt, als wir die Explosion hörten. Auch die Kinder.“

Überall war Feuer und Rauch wo einst die Stände waren.  Leichen lagen verstreut herum, und viele Verletzte rangen mit dem Tod. Und dann sah Wasfa ihren Mann.

“Die Kinder waren unglaublich stark in diesem Moment.  Wir knieten neben seiner Leiche für eine Weile und dann haben wir seinen zerschmetterten Körper gemeinsam nach Hause getragen.

 


SDG16

Ziel 16 der neuen globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung: Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen

 

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Wasfa sagt, ihr sei klar gewesen, dass sie und ihre Kinder nicht in Syrien bleiben konnten. Es war zu gefährlich und ihre Familie hatte den Ernährer verloren.

Seit neun Monaten leben sie jetzt in der provisorischen Zeltstadt in der Bekaa-Ebene.  In dieser Zeit, sagt Wasfa, ist Adel zum Mann im Hause geworden. “Nun ja, ich kümmere mich um meine Mutter und meine Geschwister“, erklärt Adel.

Arbeiten von Früh bis Spät

Er arbeitet von 7 Uhr morgens bis zum Einbruch der Nacht. Immer die gleiche Arbeit: Holzhacken. Dafür bekommt er 2 US-Dollar am Tag.

Ich frage Adel, was seine Geschwister am Dringendsten benötigen. „Ein Spielzeug. Eines für alle Fünf würde reichen.“

Und dann sagt seine kleinste Schwester, die gerade vier geworden ist, dass sie gern ein Flugzeug hätte.  Warum?

„Dann könnte ich nach Hause fliegen. Nach Syrien.“

Adel lächelt.  Mit seinen 12 Jahren weiß er, dass es kaum eine Hoffnung gibt, bald nach Syrien zurückkehren zu können.

Ich frage auch ihn, was er benötigt. „Ach, nichts weiter. Nur, dass meine Geschwister sicher sind.“

Wenn Sie Adel und weiteren Flüchtlingen aus Syrien helfen möchten, dann können sie das hier tun:

https://www.worldvision.de/spenden-katastrophenhilfe-hilfe-fuer-fluechtlinge-spendenformular-fluechtlinge.php

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