Armut ist überwindbar – nachhaltige Hilfe für arbeitende Kinder im Bundestag diskutiert

"Mädchen sind nicht nur zum Kuchenbacken geboren", sagt die 16jährige LIma Akter (links). Obwohl sie in einem Slum in Bangladesch aufgewachsen ist, träumt sie seit langem davon Ingenieurin zu werden. Ihre Mutter (rechts) verdient als Arbeiterin in einer Shrimps-Fabrik aber zu wenig, um die Ausbildung von Lima zu finanzieren. Lima gewann in einem Bildungszentrum von World Vision das Selbstvertrauen, ihren Traum weiter zu verfolgen, und die Familie bekam Hilfe, um die Kosten zu tragen: unter anderem mit einer Nähmaschine und mit Gemüse-Anbau. Den Zugang zum Ingenieurstudium hat Lima durch einen sehr guten Schulabschluss geschafft, und sie unterrichtet jetzt gegen Lohn andere Mädchen aus ihrem Slum im Bildungszentrum. Ihre Mutter ist sehr stolz auf sie.

"Mädchen sind nicht nur zum Kuchenbacken geboren", sagt die 16jährige LIma Akter (links). Obwohl sie in einem Slum in Bangladesch aufgewachsen ist, träumt sie seit langem davon Ingenieurin zu werden. Ihre Mutter (rechts) verdient als Arbeiterin in einer Shrimps-Fabrik aber zu wenig, um die Ausbildung von Lima zu finanzieren. Lima gewann in einem Bildungszentrum von World Vision das Selbstvertrauen, ihren Traum weiter zu verfolgen, und die Familie bekam Hilfe, um die Kosten zu tragen: unter anderem mit einer Nähmaschine und mit Gemüse-Anbau. Den Zugang zum Ingenieurstudium hat Lima durch einen sehr guten Schulabschluss geschafft, und sie unterrichtet jetzt gegen Lohn andere Mädchen aus ihrem Slum im Bildungszentrum. Ihre Mutter ist sehr stolz auf sie.

In unserer Gesellschaft gibt es bei jungen Menschen den Trend, Geld und Karriere nicht so wichtig zu nehmen, weil man ein freies, selbstbestimmtes Leben und Zeit für als sinnvoll erachtete Tätigkeiten haben möchte. Das ist Lebensqualität und etwas völlig anderes, als wenn man in Armut hineingeboren wird, um sein Überleben kämpfen muss und nur sehr wenig Chancen für Entscheidungen über das eigene Leben bekommt.

Der 17. Oktober ist ein internationaler Tag für die Beseitigung der Armut. Armut ist überwindbar und das Ziel, extreme Armut bis 2030 zu beenden, sollte im Namen der Kinder, die heute noch in großem Elend leben, mit Nachdruck verfolgt werden.

Um dies unseren Politikern erneut deutlich zu machen, habe ich gestern gemeinsam mit Anna Rachlitz von “SOS Kinderdörfer weltweit” im Bundestag einen Vortrag zur Prävention von ausbeuterischer Kinderarbeit als Notwendigkeit nachhaltiger Armutsreduktion gehalten. Zwölf Abgeordnete haben uns gelauscht und danach angeregt mit uns diskutiert.

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Weltweit arbeiten rund 168 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, 85 Millionen von ihnen unter unzumutbaren und zum Teil gefährlichen Bedingungen. Zwar ist die Zahl der Kinderarbeiter seit 200 um ein Drittel zurückgegangen, jedoch müssen noch immer zu viele Kinder weltweit für das Einkommen ihrer Familien durch Kinderarbeit Sorge tragen.

Auf diesen Missstand müssen wir aufmerksam machen und Lösungen anbieten. Dies tun wir in unseren Projekten, wie bespw. In Bangladesh in unserem Projekt „Hope for new life“.

In 29 Bildungszentren für arbeitende Kinder von 6-13 Jahren werden die bedürftigsten Kinder adäquat gefördert, in dem sie Angebote, die ihrem unterschiedlichen Bildungsniveau entsprechen, erhalten. Schulabbrecher und arbeitende Kindern werden (wieder) in das Bildungssystem integriert. Für die Nachhaltigkeit der Projektarbeit ist es wichtig, Partner vor Ort mit einzubeziehen. Die (Wieder)-Eingliederung erfolgt also in enger Zusammenarbeit mit Grundschulen, Sozialarbeitern und anderen Partnern.

Wir arbeiten eng mit den Grundschulen und bieten bspw. konkret Nachhilfe an, um den Anschluss zu schaffen. Arbeitende Kinder zwischen 6 und 13 Jahren, die noch nie die Schule besucht haben, werden in den Bildungszentren darauf vorbereitet, in die vierte Grundschulklasse einzusteigen. Damit die Eltern mit der Teilnahme einverstanden sind, müssen die Kurse der Arbeitssituation der Kinder zunächst auf 2,5 Stunden pro Tag an 6 Tagen in der Woche angepasst werden. Diese Bildungsmodule erfolgreich abzuschließen dauert 36 Monate.

Damit Kinder langfristig nicht mehr arbeiten müssen, unterstützt World Vision die Eltern dabei, ein höheres Einkommen zu erzielen. Unter anderem geschieht das durch Ausbildung, Kleinkredite und die Vernetzung mit bestehenden Kooperativen. Darüber hinaus beraten und begleiten wir Eltern dabei, einen Teil ihres Einkommens unter für sie fairen Konditionen für die Ausbildung ihrer Kinder anzusparen. Um den Kinderschutz zu verbessern, baut World Vision lokale Kinderschutzkomitees aus den Reihen der Dorfbewohner auf, die wir darin schulen, betroffenen Kindern zu helfen und sich für ihren Schutz einzusetzen. Wer nicht in die Schule gehen kann, erhält auch keine Chance in Zukunft der Spirale der Armut zu entkommen.

Forderungen für die Umsetzung der neuen globalen Entwicklungsziele

Der kürzlich bei den Vereinten Nationen verabschiedete neue Zielrahmen für die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Armut beachtet diese Zusammenhänge glücklicherweise auch. Die Ausbeutung und Ausgrenzung von Kindern wird explizit als nicht vereinbar mit einem Leben in Würde und als ein Hindernis für nachhaltige Entwicklung benannt.

Die in 17 Zielen ausformulierte Vision, bis 2030 extreme Armut zu beenden,  legt uns eine Menge Arbeit auf und ist eine unglaubliche Chance, allen Menschen zu einem besseren Leben zu verhelfen! Deswegen geben wir der Politik konkrete Empfehlungen für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in nationale Politik und Programme an die Hand:

  1. Kindern und ihre Familien sollen als Kernzielgruppe von Strategien zur nachhaltigen Armutsreduktion definiert werden.
  2. Der Fokus muss stärker auf die am schlimmsten benachteiligten Kinder und Familien gelegt werden.
  3. Statt schlichter Verbote von Kinderarbeit, die für viele in Armut lebende Kinder keine Lösung darstellen, sollen Angebote gemacht werden, um Kindern sukzessiv Wege aus der Kinderarbeit hinein in das Bildungssystem zu ermöglichen. Kinder und Familien sollen an der Konzeption von Unterstützungsmaßnahmen beteiligt werden. Die wirtschaftliche Situation von Eltern muss gestärkt werden, und Jugendlliche brauchen – auch ohne Schulabschluss – Zugang zu beruflicher Ausbildung.
  4. Das Selbstvertrauen und die Handlungsmöglichkeiten armer Kinder und ihrer Familien kann man durch psycho-soziale Unterstützung stärken. Dabei kann man ihnen auch helfen, sich auf Krisen vorzubereiten und Notsituationen zu vermeiden oder besser zu meisten. Diese Stärkung innerer und äußerer Resilienz sollte als Mittel nachhaltiger Armutsbekämpfung und damit als Kern entwicklungspolitischer Maßnahmen gezielt gefördert werden.

 

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