Somaliland: Innovativ gegen die Dürre

Farmer in  waraabedareere freuen sich ueber Tomaten-Ernte .

Im Jahr 2011 herrschte am Horn von Afrika eine langandauernde Dürre. Auch Somalia war betroffen, sogar im besonderen Maße, da das Land keine funktionierende Regierung hat und die Infrastruktur weitestgehend zerstört ist. Fast vier Millionen Menschen waren auf Hilfe angewiesen, fast die Hälfte der Bevölkerung. In viele Regionen des Landes konnten aber gar keine Hilfslieferungen geschickt werden, da wegen der ständigen Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen die nötige Sicherheit nicht gegeben war. Im relative friedlichen Teil Somaliland ist World Vision aber seit vielen Jahren aktiv. Mit innovativen und einfachen Mitteln konnten hier viele Menschen der Dürre trotzen und sich auf künftige Herausforderungen vorbereiten. Finanziell unterstützt wurden die Aktivitäten vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Deeqa Elmi Hande erinnert sich nicht gern an die Zeiten der Dürre. Die 35jährige siebenfache Mutter musste um das Überleben ihrer Familie kämpfen: “Es war schwer für uns, an irgendetwas Essbares zu kommen, auch die Schulgebühren für fünf meiner Kinder konnte ich nicht mehr aufbringen. Die Dürre hatte meinen ganzen Viehbestand getötet. Schließlich flüchtete ich ins Lager Garbodadar.”

Deeqa läßt auf ihren Feldern jetzt Bäume wachsen - ein Garant für gute Ernten

Deeqa läßt auf ihren Feldern jetzt Bäume wachsen – ein Garant für gute Ernten

Dort wurde Deeqa in der FMNR-Methode ausgebildet. Farmer Managed Natural Regeneration bedeutet, dass Schösslinge von Bäumen, die in Feldern durch den Boden dringen, nicht mehr gerodet werden. Stattdessen werden sie gepflegt und zu Bäumen herangezogen. Sie beschatten dann das Feld, speichern Wasser und düngen den Boden mit Blättern und Früchten. Außerdem liefern sie Brennholz.

Deeqa: “Ich lernte auch Techniken für die Speicherung von Wasser und zur Aufbereitung von Erde. Während der Ausbildung bekam ich Geld von World Vision. Das rettete unser Leben!”

Deeqa konnte weitere Frauen aus ihrem Dorf von der Methode überzeugen und heute blickt ihre Gemeinschaft hoffnungsvoll in die Zukunft: “Wir haben keine Angst mehr vor der Dürre. Denn jetzt haben wir die Möglichkeit, Ernten und Tiere zu schützen.”

 

Eine einfache, effektive Flachbrunnen-Pumpe sorgt für Wasser

Eine einfache, effektive Flachbrunnen-Pumpe sorgt für Wasser

Wasser ist essentiell – nicht nur in Zeiten der Dürre, wenn auch dann besonders. Für die 40jährige Maryam und ihre vier Kinder war es immer ein Problem, Wasser zu besorgen. Die einzige erreichbare Wasserstelle lag weit außerhalb ihres Dorfes Tuurka.

Kilometerlange Fußmärsche zur Wasserstelle raubten viel Zeit, zudem nutzten auch wilde Tiere den Zugang zum Wasser. „Doch dann hat World Vision eine überdachte Brunnenpumpe im Dorf gebaut. Jetzt geht alles leichter und schneller. Die Kinder haben mehr Zeit zum Lernen und ich für den Haushalt. Außerdem ist es viel sicherer.“

Wasserquelle für schlechte Zeiten

Das Wasseraufkommen reicht auch für die Nutztiere – so kommen Kamele, Kühe und Ziegen auch durch Zeiten ohne Regenfälle. Ein weiterer Schutz vor den Folgen einer Dürre.

Waarabe Dareeray war vor 2011 für die Produktion von erstklassigem Gemüse bekannt. Dann kam die Dürre. Viele Farmer verließen die Gegend, die Felder verkümmerten. Mit finanzieller Unterstützung des BMZ konnte World Vision jedoch etliche Farmer davon überzeugen, ihr Land nicht aufzugeben. Sie erhielten neues, Dürre tolerantes Saatgut, bessere Werkzeuge, Ochsen für den Pflug und intensives Training.

Für die Zukunft gewappnet

Abdi Ali Ibrahim ist einer der Farmer, die den Neuanfang wagten: „Ich habe umgerechnet 62 US-Dollar investiert, um Tomaten anzubauen. Und innerhalb von drei Monaten erntete ich Tomaten im Gesamtwert von 1886 Dollar.“

Um die Feldfrüchte besser verkaufen zu können, engagierten die Farmer einen LKW-Fahrer, der die Ernten mit seinem Laster zu den Märkten fuhr. Abdi Ali: „Früher haben wir alles selbst geschleppt. Das hat die Absatzmöglichkeiten deutlich verringert. Und anstrengend war es auch.“

Abdi Ali sieht sich für die Zukunft gewappnet: „Jetzt haben wir sogar Geld für Schulgebühren und Medikamente. Können was auf die Seite legen. Das macht uns für schlechte Zeiten viel widerstandsfähiger.“

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