Höchste Katastrophenstufe für Indien: mehr als 300 Millionen Menschen von Dürre betroffen

India Drought 2016 : Affected Area, Kita village- Yavatmal District, Maharashtra

World Vision hat für die Projekte in Indien die höchste Katastrophen-Warnstufe ausgerufen. Mehr als 300 Millionen Menschen sind von der langanhaltenden Hitzewelle betroffen. Die anhaltende Trockenheit hat dazu geführt, dass mehrmals hintereinander die Ernten ausgefallen sind. Nach Regierungsangaben haben sich seit Anfang des Jahres inzwischen mehr als 200 Bauern aus Verzweiflung das Leben genommen.

Ganz Südasien leidet derzeit unter dem Klimaphänomen El Nino und der damit ausgelösten Trockenheit. Doch Indien ist besonders betroffen und hier am schlimmsten die Bundesstaaten Uttar Pradesh, Madhya Pradesh und die Marathwada Region mit fast 30.000 Dörfern. In diesen Regionen gibt es kaum noch Trinkwasser, die meisten Brunnen sind ausgetrocknet und es gibt kaum noch Futter für die Tiere. Viele Menschen haben inzwischen ihre Heimatdörfer verlassen in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen für sich und ihre Familien.

50% der Familien essen nur noch Reis oder Kartoffeln

Viele Kinder zeigen bereits Anzeichen von Mangelernährung. Insbesondere Vitamin A-Mangel ist ein Problem. Vitamin A ist wichtig für die Sehfähigkeit und zur Stärkung des Immunsystems. Die Hälfte der Familien in den betroffenen Gebieten essen nur noch Reis oder Kartoffeln. Linsen, die eine wichtige Protein-Quelle besonders für Kinder darstellen, sind so teuer, dass sich viele Menschen diese nicht mehr leisten können. Viele Kinder gehen nicht mehr zur Schule, da die Eltern nicht mehr in der Lage sind, für sie zu sorgen und die Schulgebühren nicht mehr zahlen können oder weil sie mit ihren Familien weggezogen sind. Etwa 60% der Menschen in den Dürregebieten arbeiten als Tagelöhner auf den Feldern, haben aber derzeit keine Arbeit mehr.

Durch den akuten Trinkwassermangel schöpfen viele Menschen Wasser aus noch verbliebenen Wasserlöchern, die jedoch oft mit Krankheitskeimen verseucht sind. Dadurch wird auch ein Anstieg von Krankheiten durch verschmutztes Wasser verzeichnet.

Die Regierung hat damit begonnen, Trinkwasser mit Lastern und Zügen in die betroffenen Gebiete zu liefern. Allerdings ist der Bedarf so hoch, dass besonders ländliche Gebiete oft nicht erreicht werden.

Hilfe für 180.000 Menschen geplant

World Vision Indien plant, die Hilfe in den kommenden Monaten auszudehnen und konzentriert sich hier insbesondere auf die ländlichen Gebiete und die Kleinbauern. „Wir werden besonders für schwer betroffene Familien Nahrungsmittel bereitstellen, aber auch Arbeitsmaßnahmen, sogenannte Cash for Work-Projekte unterstützen, um so Zugang zu finanziellen Mitteln zu ermöglichen“, sagt Cherian Thomas, Direktor von World Vision Indien. Die Organisation wird sich auch um die Versorgung mit Trinkwasser und Futter für die Haustiere sowie Hygienemaßnahmen kümmern und möchte in den nächsten sechs Monaten mehr als 180.000 Menschen erreichen.

Bereits in den vergangenen Jahren wurde in Indien im Rahmen von langfristiger Entwicklungszusammenarbeit ein Schwerpunkt auf den verbesserten Zugang zu Wasser gelegt. So wurden Wassertanks errichtet und Dämme gebaut sowie Schulungen zu verbesserten Anbaumethoden durchgeführt. In den kommenden Monaten sollen die Maßnahmen weiter ausgebaut werden. „Die langjährige Erfahrung zeigt uns, dass ein ganzheitlicher Ansatz für die Bewältigung für diese Art von Krisen von wesentlicher Bedeutung ist“, erklärt Kunal Shah, Leiterin der Katastrophenhilfe bei World Vision Indien. Im Rahmen ihrer Projektarbeit förderte die Organisation auch den Bau von Wasserspeicherbecken, Bewässerungssystemen und Getreidebanken.  Außerdem wurden die Bauern mit verbesserten Anbaumethoden, wie z.B. dem Mischackerbau unterrichtet.

Weiterhin ist geplant, die regenerative Wiederaufforstung FMNR (farmer managed natural regeneration) zu unterstützen, durch die schnell auch in Dürregebieten Wälder wieder wachsen können.

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