

Das Medienteam von World Vision wünscht Ihnen und ihrer Familie ein besinnliches, gesegnetes Weihnachtsfest.


Auf der Südhalbkugel ist jetzt Sommer und Weihnachten deshalb in vielen Ländern eine warme bis heiße Angelegenheit. Bei Familien in Peru ist es trotzdem Brauch, nach dem Weihnachtsgottesdienst heiße Schokolade zu trinken. Dazu gibt es “Paneton”, vergleichbar mit unserem Christstollen. Morgen ist es wieder soweit, aber die Patenkinder und ihre Freunde in Yauli und Paucará, den beiden Projektgebieten in der Anden-Provinz Huancavelica, haben mit ihren Kindergärten und Schulen und mit den Kollegen von World Vision schon ein wenig vorgefeiert, weil das eigentliche Weihnachtsfest sehr auf die Erwachsenen ausgerichtet ist. Schauen wir mal genauer hin…

Es ist ein fast surrealer Moment: Anna steht vom Tisch auf, sieht die Nachmittagssonne im Garten und fängt an, sich im Rhythmus ihres Lieblingsliedes zu bewegen. Langsam aber mit eleganten Bewegungen tanzt sie dann unter den Apfelbäumen, vergisst ihre Schüchternheit, ist ganz versunken dabei. Sie tanzt, obwohl keine Musik zu hören ist, obwohl sie Musik überhaupt nur spüren, aber nicht hören kann.
Die 16jährige Schülerin aus Armenien ist seit ihrer Geburt gehörlos. Trotzdem hat sie vor drei Jahren nach der Gründung eines Tanzclubs in ihrem Dorf das Tanzen für sich entdeckt und zeigt darin großes Talent. Sogar ihr 9jähriger Bruder Armin gibt das freimütig zu. „Sie ist eine perfekte Tänzerin“, sagt er. „Und in Mathe ist sie auch sehr gut.“ Armin ist der einzige der Familie, der ein wenig die Gebärdensprache beherrscht und sich mit seiner Schwester gut verständigen kann. „Ich fühle mich wie eine Prinzessin beim Tanzen“, übersetzt er Annas Erklärung für die überraschende Garten-Szene.
Annas Eltern erzählen auf der Gartenbank, dass sich Annas Leben erst in den letzten 5 Jahren so positiv entwickeln konnte. Damals wurde sie über das World Vision Patenschaftsprogramm in einem Zentrum zur Integration von Kindern mit Behinderungen aufgenommen. Dort endlich fand sie ihren Platz. „Wir haben große Veränderungen an ihr gesehen. Das Zentrum hat ihr sehr geholfen, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Früher war sie isoliert, hatte keine Freunde und ging nicht einmal zur Schule. Heute ist sie beliebt“, sagt Arevik, Annas Vater.
„Als Anna noch klein war, haben wir oft unser ganzes Geld für Behandlungen ausgegeben, aber ohne Erfolg“, erinnert sich die Mutter. Dann verlor der Vater seine Arbeit. Als einziges Einkommen blieb das Kindergeld der Regierung, das für nicht viel mehr reichte als für Essen, Strom und Gas in der Wohnung. Im Winter heizt die Familie mit Tierdung und lebt zum Teil von den Äpfeln, die sie im Herbst in ihrem Garten erntet. Das Klima der Region ist hart und Landwirtschaft ohne Bewässerung sehr schwierig. Die offensichtliche Armut veranlasste World Vision zum Start eines Regionalentwicklungsprogramms.
Die Förderung von Kindern mit Behinderungen ist World Vision Armenien ein besonderes Anliegen, da diese Kinder – vor allem in ländlichen Gebieten oft isoliert aufwachsen oder getrennt von ihren Familien in Institutionen der Hauptstadt leben. Anna konnte mittlerweile einen Platz in der lokalen Schule finden und lernt dort mit Hilfe eines Betreuers sehr gerne.
Um zwei Uhr nachmittags haben die Kinder aus Kasaila, einem Dorf im Regionalentwicklungsprojekt Mphuka, ihre Schule verlassen und gehen zuhause ihren Eltern zur Hand. Während die Mädchen meistens im Haushalt helfen, sieht man die Jungen zurzeit viel auf dem Feld – wo sie mit ihren Vätern die Aussaat vorbereiten oder Unkraut jäten.
Ein paar Stunden später findet sich eine Gruppe von Jungen und Mädchen auf einem Fußballfeld ein. Ich höre sie singen und lachen. In die Kindergeräusche mischen sich lautes Scheppern und metallisches Klirren, das aus einer kleinen Werkstatt kommt. Ich betrete die Werkstatt und treffe auf Mtunduwatha, einen der Jungen aus dem Dorf, der hier verschiedene Teile aus Metall zusammenfügt.

„Ich arbeite hier als Blechschmied und komme wochentags jeden Nachmittag hierhin“, erzählt Mtunduwatha. Er ist 14 Jahre alt und besucht die letzte Klasse der Grundschule. Wie viele Kinder aus armen Familien ist er offenbar spät eingeschult worden. In seinem Dorf gilt er trotzdem als Held, denn er hat in seinem jungen Alter schon für viele Frauen und Männer praktische Lösungen entwickelt, die ihnen zum Beispiel die Bewässerung ihrer Felder oder das Wasserholen am Brunnen erleichtern. „Ich mache praktische Dinge wie Gießkannen, Eimer, Tassen, Kerzenhalter und Töpfe“, sagt Mtunduwatha. „Die verkaufe ich an Leute aus meinem Dorf.“
Die täglich drückende Armut seiner Familie hat den Jungen dazu gebracht, sich bei einer lokalen Organisation in dem Handwerk ausbilden zu lassen. „Ich komme aus einer Familie mit 6 Kindern. Wir sind drei Brüder und drei Schwestern. Meine Eltern verdienen mit Näharbeiten und dem Verkauf von Bambusmatten Geld, das aber nie bis zum Ende des Monats reicht.“
Mtunduwatha began im Januar 2010 mit der Ausbildung. Zuest wurde ihm beigebracht, wie man Metallplatten rollen, behämmern und verlöten kann. “Ich dachte vorher, dass diese Arbeit für ein Kind in meinem Alter zu hart und zu gefährlich sei, aber ich habe dann gesehen, dass das nicht stimmt.“
Mtunduwatha mag seine Arbeit. Hier stellt er einen Eimer her. Foto: Wezzie Banda\World Vision
Auf dem lokalen Markt kann er seine Produkte ganz gut verkaufen, einen Eimer zum Beispiel für rund 750 Kwacha, umgerechnet ca. 3-4 Euro. „Meine Kunden sind meistens Frauen“, sagt er noch dazu. Der größte Teil seines Gewinns fließt in Dinge, die seine Familie braucht – Seife, Salz und Mais zählt er als Beispiele auf. Mtunduwatha betrachtet das als Anfang. Er hofft, später noch etwas Geld für die höhere Schule und die Schulkosten seiner Geschwister zurücklegen zu können. „Ich möchte gerne als Lehrer an einer (handwerklichen) Berufsschule unterrichten“, beschreibt er seinen Traum.
„Mtunduwatha ist wegen seiner hohen Leistungsbereitschaft und seinem Einsatz für seine Familie ein Vorbild in dieser Dorfgemeinschaft“, erklärt Nyasa Sankhani, ein Lehrer des Ausbildungsbetriebes, der 2006 eröffnet wurde und laut Herrn Sankhani bisher 80 Schüler mit einem Handwerk vertraut gemacht hat. Neben Blechschmieden werden auch SchneiderInnen und Schreiner ausgebildet. World Vision hat die Berufsschule mit diversen Maschinen, Rohmaterial und Lehrmaterial unterstützt. „Danke, dass Sie mir und anderen Kindern damit die Möglichkeit geben, etwas sehr Nützliches zu lernen“, sagt Mtunduwatha zum Abschied.
Bericht und Fotos: Wezzie Banda \ World Vision Malawi